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Wein & Stein

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Diese Edition erlesener Weine der Bergsträßer Winzer eG soll den Einfluss  des Bodens auf den darauf gewachsenen Wein symbolisieren und damit die geologische Besonderheit der Bergstrasse hervorheben.

(C) Dipl. Weinbauingenieur Reinhard Antes)

(C) Fotos: Gerd Wiedenbeck

 

Mineralstoffe im Wein

Über die Rebwurzel gelangen die Mineralstoffe des Bodens als Nähr-, Aufbau- und Regulatorstoffe bis in die Traubenbeeren und finden sich in deren Saft wieder. Etwa 3-4 g pro Liter sind im Traubenmost enthalten. In erster Linie sind es Salzverbindungen. Hierzu gehören z.B. Phosphate, und Karbonate der Elemente Kalium, Calcium, Magnesium und Natrium. Außerdem sind in geringen Mengen Sulfate, Chloride und Silikate sowie zahlreiche Spurenelemente enthalten.

In trockenen Jahren ist der Mineralstoffgehalt wegen der geringeren Bodenlöslichkeit etwas niedriger, in feuchten und warmen Jahren (z.B. 2000er) höher. Karge, felsige Böden haben wesentlich niedrigere Mineralstoffgehalte wie fruchtbare Böden, die typisch für die Bergstraße sind. Je nach geologischer Entstehungsgeschichte und - Herkunft bieten verschiedene Bodenarten den Reben ein unterschiedliches „Mineralangebot“. Dies ist eine Ursache für die unglaubliche Vielfalt der Bergsträßer Weine, denn die rund 225 (!) Bodenarten der Bergstraße hinterlassen unterschiedlichste Spuren im Wein. Mit unserer Sonderausstellung zum Thema „Wein und Stein“ zum ersten Advent 2000 wollten wir diese Besonderheit dokumentieren. Die geologischen Merkmale finden sich wie auch in anderen Anbaugebieten in vielen Lagenamen der Bergstraße wieder. (z.B. Heppenheimer Steinkopf, Zwingenberger Steingeröll, Bensheimer Kalkgasse).

Auch die Rebsorten haben ein unterschiedliches Aufnahmevermögen für die verschiedenen Mineralstoffe. Manche Sorten benötigen viel Calcium (z.B. Chardonnay), andere viel Magnesium (Traminer, Ehrenfelser und Riesling), andere Sorten sind empfindlich bei zu hohen Werten dieser Elemente. Interessant und erfreulich ist, dass etwa im Boden befindliche Schwermetalle, die in der Regel unerwünscht sind, erst gar nicht von der Rebwurzel aufgenommen werden. Sie werden nur in geringem Umfang als Spurenelemente benötigt und wirken als Katalysatoren bei den Synthesevorgängen der Rebe.

Weiterhin wird die Mineralstoffaufnahme der veredelten Reben durch die Wahl der Unterlage beeinflusst, weshalb die Winzer auf verschiedenen Böden trotz gleicher Rebsorte unterschiedliche Unterlagen verwenden, um das Optimum aus dem Boden herauszuholen.

Während der Gärung verwendet die Weinhefe einen Teil der Mineralstoffe im Saft zum Aufbau ihrer Körpersubstanz. Daher ist der Mineralstoffgehalt im späteren Wein etwas geringer als  beim Most oder beim bekanntlich besonders gesunden Federweißer. Bei maischevergorenem Rotwein bleiben die Mineralgehalte wegen der Auslaugung der Beerenschale geringfügig höher. Die nach der Gärung verbliebenen  Minerale im Wein (ca. 1,8 bis 2,5 g / Liter) werden beim Wein als „Asche“ bezeichnet, was auf ihre Bestimmungsmethode schließen lässt: Der Wein wird nämlich verdampft, anschließend werden alle organischen Stoffe verglüht (verbrannt) und zurück bleibt die Asche.

Je nach Zusammensetzung der Mineralstoffe im Wein und dem Anteil organischer Verbindungen kann es unter bestimmten physikalischen Bedingungen (z.B. Kälteschock) zur Ausfällung von Mineralstoffen kommen: Es bilden sich Salzkristalle. Jedem bekannt ist z.B. der Weinstein, die Verbindung von Kalium mit Weinsäure. Es gibt aber zahlreiche weitere Kristallformen im Wein. So sind die grießigen weißen Kristalle, die sich oft in edelsüßen Spitzenweinen finden, häufig Mucat-Kristalle. Dies ist das Calcium-Salz der so genannten Schleimsäure, die durch den Edelfäule-Pilz in diesen Weinen häufiger vorkommt. Mancher Laie hat diese wegen des Aussehens schon für Zuckerkristalle gehalten...

Für die Geschmacksbildung im Wein sind die Mineralstoffe von großer Bedeutung. Mineralstoffarme Weine schmecken „leer“ und „dünn“. Ihnen fehlt das „Gerüst“ und sie haben keinen „Körper“. Der bekannte Spruch „Wein ist die Milch des Alters“ hat seine Begründung auch darin, dass ältere Menschen die Versorgung mit Mineralstoffen auf angenehme Art mit Wein decken können. Deshalb empfehlen Ärzte älteren Menschen gerne Wein.

 

Die Verbindungen von Stein und Wein

Wie entstehen die Mineralstoffe im Boden? Alle Gesteine bestehen ursprünglich aus Kristallen. Je nach  chemischer Zusammensetzung, Witterung, Temperatur und Feuchte verwittern sie im Laufe der Jahrmillionen zu mehr oder weniger fruchtbaren Böden. Viele dieser Kristalle sind unscheinbar und erregen wenig Interesse. Aber die Launen der Natur lassen zuweilen die schönsten Kunstwerke entstehen. Jedes für sich ein vergängliches Einzelstück, genauso individuell und einmalig wie der Wein, der Jahrtausende später die verschiedenen Komponenten wieder auf seine Weise zusammenführt und zu neuen Kunstwerken vereint. Beide haben ihre Liebhaber, die oft bereit sind, für ihr Hobby vieles zu opfern und ihre Schätze viele Jahre zu hüten.

Aber dies ist nicht die einzige Verbindung. Weinliebhaber und Mineraliensammler haben auch eine gemeinsame Sprache, wenn sie ihre Lieblinge charakterisieren: Farbe, Glanz, Klarheit, Dichte, Reinheit und Brillanz sind bei beiden wichtigste Kriterien zur treffenden Charakterisierung. Je reiner, typischer und idealer die Ausbildung ist, desto höher ist der Wert. Die Härte ist beim Wein allerdings nicht so erwünscht wie beim Diamant...

Gemeinsam ist Mineralien und Wein auch der positive Einfluss auf die Gesundheit. Während er bei Mineralien aber mehr auf positive Gefühle und physikalische Einflüsse zurückgeführt wird, ist dieser Einfluss beim Wein inzwischen schon vielfach durch medizinische Studien eindeutig belegt.

 

Was die Bergstraße mit China gemeinsam hat...

Lößlehmböden sind charakteristisch für die Bergstraße. Sie stellen mit Abstand den größten Anteil unserer Böden. In den Lößböden der Bergstraße findet man häufig auch sogenannte „Lößkindl“. Den Namen haben sie daher, weil im Löß oft harte sandsteinähnliche Figuren entstehen, die nicht selten an menschliche Gestalten oder Tierfiguren erinnern. Häufig befinden sich hervorragende deutsche Weinlagen auf diesen fruchtbaren Lößböden. An der Bergstraße ist vor allem die Lage Heppenheimer Eckweg durch große Lößformationen geprägt und lässt somit den Anbau des wertvollen Spätburgunders zu. Das größte zusammenhängende Lößlehmgebiet der Welt liegt allerdings in Nordchina. Womit eine Verbindung zum Zinnoberkristall - zugegebenermaßen etwas weit hergeholt - hergestellt wäre. Aber noch etwas hat China mit dem Odenwald gemeinsam: Eine bis weit ins Mittelalter zurückgehende Bergbautradition! Kaum jemand weiß heute noch, dass damals im Odenwald und an der Bergstraße zahlreiche Bergwerke die Existenz der Bevölkerung sicherten. Spatwerke, Kupfer-, Blei-,  Mangan- und sogar häufig Silberabbau gehörten damals zur Selbstverständlichkeit. Und da gibt es noch eine Verbindung: In einem ursprünglichen Silberbergwerk in Schriesheim wurde wegen des hohen Kupfergehaltes später auch Kupfervitriol gewonnen. Und genau solches Kupfervitriol war die Rettung für den Weinbau in Europa, da es den Winzern damals half, die aus Nordamerika eingeschleppte Pilzkrankheit Peronospora zu bekämpfen! Ältere Mitbürger erinnern sich sicher noch an die blauen Weinberge um die Mitte dieses Jahrhunderts...

(Edition 1999)

Das Mineral Nr 1: Zinnober             Der Wein Nr 1 : Saint Laurent

Natürlich haben wir dieses Mineral für das Etikett in erster Linie wegen seiner Farbe ausgewählt, die in wunderbarer Weise mit dem Rot des Saint-Laurent harmoniert. Die „Crown of Fenghuang“ leuchtet wie wenn ein inneres Feuer brennen würde. Die optische Wärme, die diese Kristallgruppe abstrahlt, ist vergleichbar mit der wohltuenden Wärme, die dieser Rotwein dem Genießer schenkt. Zinnober ist ein Quecksilbersulfit (HgS), das wichtigste Erz, das zur Gewinnung des einzigen bekannten flüssigen (!) Minerals „Quecksilber“ dient. Aber während dessen „Genuß“ fatale Folgen hätte, schenkt der Wein Leben und Gesundheit.... Der Kristall wurde vom Dipl. Geologen Gerd Wiedenbeck fotografiert und ist im Besitz eines Seemanns, der ihn bei seinen Reisen rund um die Welt immer als Glücksbringer dabei hat...

Der „blaue Saint Laurent“ ist eine sehr alte Rebsorte, die in Deutschland fast ausgestorben wäre. Inseln des Anbaus bestanden vor allem noch im Rheingau und im Kraichgau. Was lag näher, als genau in der Mitte zwischen diesen beiden Regionen - nämlich an der Bergstraße - dieser Rebsorte wieder Leben einzuhauchen. Der Weinberg im Heppenheimer Stemmler wurde - nach 18 Jahre langem Traum - im Jahre 1997 gepflanzt. Und schon ein Jahr später konnte ein „Jungfernwein“ geerntet werden. So bezeichnet man den ersten Ertrag, den ein Weinberg bringt.

Die Geburtsstunde der Edition Wein und Stein

Nachdem auch unser Kellermeister seine Liebe zu dieser Rebsorte eingestanden hatte, war der Weg frei, die Erfüllung eines gemeinsamen Wunschtraums mit dieser limitierten und einzeln nummerierten Auflage zu feiern. Jahrtausende nachdem Stein, Wind und Wetter dafür die Grundlagen geschaffen haben. Die große Nachfrage nach dem Wein und Stein 1999 hat uns dazu ermuntert, in 2000 eine Doppeledition herauszugeben. Zum Saint Laurent ist eine zweite Rebsorte hinzugekommen: Die Scheurebe. Die Edition 2000 stellt noch eine weitere Besonderheit dar: Die Weine sind aus dem letzten Jahrgang vor dem Jahrtausendwechsel und stellen somit bereits heute schon besondere Raritäten dar.

Das Mineral Nr 2: Turmalin             Der Wein Nr 2 : Die Scheurebe

Auch dieses Mineral haben wir wegen seiner Farbe ausgewählt, die in gewisser Weise symbolisch die Rebsorte Scheurebe darstellt. Diese ist nämlich eine Kreuzung aus weißem Riesling und grünem Silvaner. Gefunden wurde diese Turmalinstufe im Karakorum, dem „Dach der Welt“. Turmalin wird auch als Regenbogenmineral bezeichnet, da es in allen verschiedenen Farbübergängen des Regenbogens vorkommt, hier von weiß zu grün. Eine rein schwarze Variante „Schörl“ kommt übrigens auch an verschiedenen Stellen des Odenwalds vor. Edlere und klare Farbvarianten des Turmalins werden häufig zu Edelsteinen verarbeitet. Gesucht sind auch Dünnschliffe von mehrfarbigen Turmalin-Kristallen, die im Durchlicht ein besonderes Feuer entfachen.

Der Kristall wurde ebenfalls vom Dipl. Geologen Gerd Wiedenbeck fotografiert. Diese Fotografie des Kristalls hat schon einen internationalen Wettbewerb gewonnen.

(Edition 2000)

Diese Rebsorte wurde nach ihrem Züchter Georg Scheu benannt, der wie oben beschrieben Riesling und Silvaner kreuzte. Charakteristisch für diese Rebsorte ist das intensive Muskataroma, weshalb die Scheurebe zu den Bukettsorten gezählt wird. Nicht in allen Jahren gelingt es so fein und reintönig wie im Jahr 1999. Daher wählten unsere Kellermeister diese liebliche Spätlese für unsere Edition aus. Geerntet wurde Sie im Heppenheimer Guldenzoll auf einem hitzigen Sandboden, der das intensive Aroma in besonderer Weise gefördert hat.

Das Geschmackserlebnis. Ein magischer Gegensatz

Unterschiedlicher und gegensätzlicher wie die beiden Weine Saint Laurent und Scheurebe können Weine eigentlich kaum ausfallen. Die extremen farblichen, geschmacklichen Unterschiede (trocken und lieblich) und Aromaunterschiede (Kirsch- und Muskatnoten) der beiden Weine dokumentieren in anschaulicher Weise wie ein Wein nicht nur von der Rebsorte geprägt wird, sondern auch vom Boden, auf dem er wächst. Die Kunst des Winzers und des Kellermeisters ist es, dies alles zu einer geschmacklichen Harmonie zu bringen. Unsere Empfehlung ist es, sich beim Genuss dieser Weine etwas anregen zu lassen von der Schönheit der Mineralien. Freuen Sie sich darüber, dass wir in der heutigen Zeit etwas genießen dürfen, für das die besondere geologische Entwicklungsgeschichte unserer Bergstraße vor vielen vielen Jahren schon den Grundstock gelegt hat. Freuen Sie sich über diese Weine genauso wie die beiden Mineraliensammler, die mit Hammer und Meißel die Schätze dem Dunkel der Erde entrissen haben....

Zum Wohl und Glückauf! – wie ein Mineraliensammler sagt ...

(Edition 2001)

Das Mineral Nr 3: Fluorit           Der Wein Nr 3 : Riesling

Aller guten Dinge sind drei:  Im Jahre 2001 kommt ein Fluorit-Kristall dazu. Ebenfalls von Gerd Wiedenbeck für uns festgehalten. Es ist ein glasklarer Kristall von einer weltberühmten Fundstelle in Asturien. Dieses Mineral zeichnet sich durch oft perfekte Kristallwürfel oder Oktaeder aus. Das Farbspiel des Fluorit geht je nach Fundort von glasklar über nahezu alle grünen, blauen, violetten, seltener rosa Farbtöne bis hin zu rabenschwarz. Wegen dieser Vielfalt  gibt es Sammlerspezialisten, die sich ausschließlich nur diesem Mineral verschrieben haben.

Der Riesling ist der König der Bergsträsser Rebsorten. Der Wein ist an einer der besten Standorte der Bergstrasse gewachsen: In den Extrem-Steillagen auf der Südseite des Heppenheimer Schlossbergs unterhalb der alles überragenden Starkenburg und oberhalb der Gründungsstätte unserer Winzergenossenschaft. Dort wachsen auf heißen und trockenen Sandsteinverwitterungsböden fast in jedem Jahr die edelsten Rieslinge. So auch im Jahr 2000, was uns dazu animierte, diesen trockenen Selektionswein für die Serie „Wein und Stein“ auszuwählen. Er besticht durch eine Klarheit und ein Farbspiel im Glas, das in faszinierender Art mit den Lichtreflexen des Kristalls harmoniert... Lassen Sie sich von beidem zum Träumen verführen..

(Edition 2002)

 

Das Mineral Nr 4: Topas          Der Wein Nr 4: Gewürztraminer

Das Mineral Topas zählt mit einer Härte von 8 schon zu den Edelsteinen. Es kommt in vielen Farben vor. Dieser Kristall von einer mexikanischen Fundstelle harmoniert mit seinem Farbspiel auf wunderbare Weise mit den edlen goldfarbenen Reflexen des Weines. Der 4. Wein unserer Edition “Wein und Stein” aus einer der edelsten und traditionsreichsten Rebsorten, dem Gewürztraminer, ist ein Juwel dieses Jahrgangs. Seine bei Vollreife typisch rotgoldenen Trauben enthalten in der Beerenhaut einen Blumenstrauß von Aromastoffen. Behutsam und mit liebevoller Sorgfalt vergoren, entfaltet er den charakteristischen feinen Rosenduft, der ihn so beliebt gemacht hat.

(Edition 2004)

Das Mineral Nr. 5:  Granat                 Der Wein Nr. 5: Spätburgunder

Der 5. Wein unserer Edition “Wein und Stein” aus der edelsten Rotweinsorte, dem Spätburgunder, ist ein Juwel dieses Rotwein-Jahrhundertjahrgangs. Seine typischen roten bis blauschwarzen Trauben enthalten in der Beerenhaut die besondere Farbe. Behutsam und mit liebevoller Sorgfalt vergoren und im Eichenholzfass gereift, entfaltet er sein charakteristisches Aroma. Seine leuchtende warme und granatrote Farbe harmoniert in besonderer Weise mit den geheimnisvollen Reflexen des Spessartin, einer besonders schönen Variante des Minerals Granat. Jener kommt auf der Erde in vielen edlen Farbvariationen vor. Dieser Kristall von einer pakistanischen Fundstelle besticht mit seinem feurigen Farbspiel und dem Kontrast zu den weißen Kristallen von Quarz und Feldspat.

 

(C) Foto: Gerd Wiedenbeck

Falls Ihnen bei diesen Bildern das Wasser im Munde zusammenläuft, empfehlen wir Ihnen dringend

sich bei der               

nach der neuesten Edition "Wein und Stein zu erkundigen". Falls Sie sich außer für die Edelsteine im Glas auch für die edlen Steine von Gerd Wiedenbeck interessieren, empfehlen wir Ihnen einen Blick auf:

 

Nachfolgend finden Sie die Ausstellungstexte der Ausstellung Wein und Stein:

          

Ausstellung Wein & Stein (C) Reinhard Antes

            in der Bergsträsser Winzer eG 1. Advent 2000

 

Mineralische Pflanzennährstoffe und ihre Eigenschaften

 

Neben den Hauptnährstoffen Kohlenstoff (C) Wasserstoff (H) Sauerstoff (O) , die die Hauptbestandteile organischer Strukturen darstellen benötigt die Rebe vor allem:

 

1.       Nichtmetalle:      Stickstoff (N)     Schwefel (S)     Phosphor (P)     Bor (B)             Silizium (Si)

Die freien Elektronenpaare des Schwefels und des Stickstoffs ermöglichen Chelatbindungen. Phosphat, Borat und Silikat bilden Ester mit pflanzeneigenen alkoholischen Gruppen

 

2. Alkali- und Erdalkalimetalle         Kalium (K)        Natrium (Na)     Magnesium (Mg)                       Calcium (Ca)

Sie werden in höheren Mengen als Kation aus dem Boden aufgenommen und vorwiegend sorptiv an die organische Substanz gebunden. Sie können sich leicht gegenseitig verdrängen. Sie haben vorwiegend Wirkungen auf den Quellungsgrad der Zellen. Mängel führen daher vorwiegend bei Streß (Trockenheit, Frost) zum Absterben von Zellen. Magnesium hat spezifische Funktionen als Enzymaktivator (z.B. bei der Stickstoffsynthese)

 

3. Schwermetalle     Eisen (Fe)         Mangan (Mn)     Kupfer (Cu)       Zink (Zn)           Molybdän (Mo)

Sie sind vorwiegend Metallkomponenten in Enzymen. Bei Mangel wird häufig die Photosynthese (Bildung des Blattgrüns) negativ beeinflusst. Die Blätter werden gelb.

 

 

 

 

 

           

    Ausstellung Wein & Stein

            Bergsträsser Winzer eG                                           1. Advent 2000

 

Phosphor

 

Das Nährelement Phosphor ist im Organismus der Rebe an nahezu alle wichtigen Stoffwechselvorgänge gebunden. Die Aufnahme über die Wurzel erfolgt als Phosphat-Ion. Es ist in der Pflanze sehr gut beweglich.

Phosphat ist wesentlicher Bestandteil der Nucleinsäuren. Es hat somit eine überragende Bedeutung im Eiweißstoffwechsel. Zusammen mit einer Stickstoffbase und einer Pentose (5er-Zucker) ist Phosphat Baustein der Nucleotide und damit Grundsubstanz für die Synthese und Prozesse (Phosphorylierung) der stoffwechselphysiologisch wichtigen Koenzyme.

Die Speicherung von Phosphor erfolgt vor allem in den Traubenkernen. Mit der Reife wird Phosphat aus den alternden Rebteilen (Blättern) entzogen und dort eingelagert. Somit ist der Phosphatgehalt in aktiven jungen Teilen hoch, in alten Teilen eher niedrig.

Phosphormangelsymptome sind kleine Blätter mit starrer Haltung (Starrtracht).

Nahezu alle Bergsträßer Böden weisen eine sehr gute Phosphatversorgung auf. Eine Düngung dieses Nährstoffs ist so gut wie nie erforderlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           

    Ausstellung Wein & Stein

            Bergsträsser Winzer eG                                           1. Advent 2000

 

Das Kalium

 

Kalium ist für den Stoffwechsel der Rebe das wichtigste Nährelement. Es ist in der Pflanze sehr gut beweglich. Es hat im Wesentlichen zwei Bedeutungen:

1.       Es beeinflusst durch seine osmotischen Eigenschaften Wasseraufnahme und Wasserhaushalt. Es steuert damit die Öffnung und das Schließen der Stomata (Spaltöffnungen der Blätter). Kaliummangel führt daher schnell zu Trockenstreß. Vom Blattrand her vertrocknen die Blätter. Ebenso wird bei Kaliummangel die Frosthärte und Krankheitsresistenz negativ beeinflusst.

2.       Kalium aktiviert mehr als 40 bekannte wichtige Enzymreaktionen. Z.B. die Biosynthese der Eiweiße, Vitamine, Zucker, Stärke und Zellulose.

Das Maximum der Kaliumaufnahme der Rebe erfolgt rund 4 Wochen nach der Blüte. Kurz vor dem Reifwerden der Beeren werden zusätzliche Kaliummengen in die Beeren verlagert. Dabei werden nahezu 80 % des Kaliums aus den Blättern dorthin umgelagert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           

    Ausstellung Wein & Stein

            Bergsträsser Winzer eG                                           1. Advent 2000

 

Das Magnesium

 

Magnesium hat seine größte Bedeutung als Bauteil des Chlorophylls und damit für die Synthese des Blattgrüns. Wichtig ist es dabei für die Photosynthese (Zuckerproduktion), die Atmung der Pflanze und des Stickstoffwechsels. Magnesium-mangel zeigt sich daher besonders in Gelbverfärbungen der Blätter.

Die verschiedenen Rebsorten zeigen sehr unterschiedliche Ausnutzungen des Magnesiums. Empfindliche Sorten sind z.B. Gewürztraminer und auch Riesling, die schnell empfindlich reagieren („Stiellähme“), wenn Magnesium (insbesondere in der Relation zu Kalium) fehlt.

Magnesium findet sich eher in Granitverwitterungsböden, während auf Sandboden Mangelerscheinungen häufiger auftreten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           

    Ausstellung Wein & Stein

            Bergsträsser Winzer eG                                           1. Advent 2000

 

Das Calcium

 

Das Calcium hat in der Zelle neben der entquellenden Wirkung (Gegenspieler des Kaliums) eine Reihe physiologischer Aufgaben. Längenwachstum und Zellvermehrung werden durch Calcium besonders gefördert. Auch das Wurzelwachstum wird durch Calcium gefördert, indem es im Boden zusammen mit den organischen Bestandteilen (Humus) stabile Bodenkrümel bildet und damit die Bodenreaktion und Verfügbarkeit nahezu aller Nährstoffe fördert.

Auf stark sauren (calciumarmen) Böden, wie sie an der Bergstraße glücklicherweise nur selten vorkommen, muß daher zuweilen gekalkt werden.

Bekanntestes Calcium-Mineral ist der Calcit, der in zahlreichen Formen in der Natur vorkommt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           

    Ausstellung Wein & Stein

            Bergsträsser Winzer eG                                           1. Advent 2000

 

Der Schwefel

 

Schwefel wird von der Rebe vorwiegend in der Form als Sulfation aufgenommen, Aber auch die Blätter nehmen es als SO2-Gas aus der Luft auf. Auch schwefelhaltige Spritzmittel können zur Schwefelversorgung beitragen.

Schwefel ist Bestandteil wichtiger Aminosäuren und somit für die Synthese von Proteinen und Vitaminen bedeutsam. Daher ist die Schwefelkonzentration gerade in den physiologisch aktiven Rebbestandteilen immer am höchsten.

Wegen der ausreichenden Versorgung aus der Luft sind Schwefelmangelsymptome bei der Rebe nicht bekannt.

 

 

 

 

 

 

 

 

           

 

 

 

 

 

 

 

 

    Ausstellung Wein & Stein

            Bergsträsser Winzer eG                                           1. Advent 2000

 

Das Eisen

 

Die Eisenaufnahme der Rebe ist vor allem vom pH-Wert des Bodens abhängig. Dieser beeinflusst die Menge des pflanzenverfügbaren Eisens sehr stark. Bei überhöhten pH-Werten kommt es zur gefürchteten Eisenmangelchlorose. Da das Eisen für die Chlorophyllsynthese benötigt wird, führt Eisenmangel zur Gelbverfärbung der Blätter.

Alle Böden enthalten in der Regel ausreichende Mengen an Eisen, so dass wie beschrieben vor allem die Verfügbarkeit entscheidend ist, die durch unterschiedliche Bewirtschaftungstechniken gefördert werden kann. So fördert z.B. eine Begrünung auf kalkhaltigen Boden über den versauernden Effekt die Eisenaufnahme. Daher weisen unsere dauerbegrünten Bergsträßer Weinberge nur ganz selten Chloroseerscheinungen auf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           

    Ausstellung Wein & Stein

            Bergsträsser Winzer eG                                           1. Advent 2000

 

Das Bor

 

Das Bor wird von vielen als wichtigster Mikronährstoff bezeichnet. Es ist von besonders wichtiger Bedeutung für die Befruchtung und damit den Ertrag. Es ist in seiner Wirkung dem Phosphat-Ion zu vergleichen.

Bormangel führt besonders auf sauren und zugleich trockenen Böden zu schwersten Ertragsverlusten. Allerdings hat Borüberschuß denselben Effekt. Daher ist es für den Winzer wichtig, den optimalen Mittelwert zu halten. Unsere Bergsträßer Böden haben in der Regel mittlere Gehalte.

Bor wird vor allem in den Traubenkernen eingelagert. Bei der üblichen Rückführung der Traubentrester in den Weinberg muß der Winzer auf eine gleichmäßige Verteilung achten. Die häufig wiederholte Ablagerung des Tresters auf einem Platz (z.B. nur am Zeilenanfang) führt zu einem Bor-Überschuß mit starken negativen Folgen auf den Ertrag.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           

    Ausstellung Wein & Stein

            Bergsträsser Winzer eG                                           1. Advent 2000

 

Das Zink

 

Die Bedeutung des Zinks für die Rebe bezieht sich vor allem auf seine Funktion bei der Aktivierung von verschiedenen Enzymen bei der Stickstoffsynthese.

Zinkmangel führt zu einem verminderten Längenwachstum und unsymmetrischen Blättern. Es kommt zu einer vermehrten Bildung von Seitentrieben („Besenwuchs“).

Phosphatüberschuß im Boden kann das verfügbare Zink im Boden binden. Daher ist eine reduzierte Phosphatdüngung automatisch günstig für die Rebe, weil sie den für die Zinkaufnahme schädlichen „Luxuskonsum“ der Rebe verhindert.

Zinkmangel tritt nur selten auf. Durch die Verwendung verzinkter Weinbergsdrähte und deren langsamer Verwitterung wird in der Regel ein ausreichender Nachschub sichergestellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           

    Ausstellung Wein & Stein

            Bergsträsser Winzer eG                                           1. Advent 2000

 

Das Mangan

 

Die Funktion des Mangans in der Rebe entspricht in einigen Reaktionen dem Wirkungsmechanismus des Magnesiums. Ähnlich wie bei Zink ist die Aufnahme abhängig vom pH-Wert des Bodens. Durch Mangan werden verschiedene Enzyme der Eiweißsynthese aktiviert.

Auch bei diesem Nährstoff ist nicht die Höhe des Bodenvorrats maßgebend sondern die Verfügbarkeit., die z.B. auf kalkhaltigen Böden durch eine Dauerbegrünung gefördert werden kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           

    Ausstellung Wein & Stein

            Bergsträsser Winzer eG                                           1. Advent 2000

 

Das Kupfer

 

Das Schwermetall Kupfer wird von der Rebe nur in winzigen Mengen aufgenommen. Es kommt innerhalb der Pflanze überwiegend nur in Wurzelteilen vor. Es hat eine gewisse Bedeutung bei der Photosynthese und kommt daher auch an den Chloroplasten, den Bauteilen des Chlorophylls häufiger vor.

Kupfermangel ist nicht bekannt, da durch Kupferspritzungen früherer Jahre (heute noch in „Ökobetrieben“ eher überhöhte Werte in den Weinbergsböden zu finden sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           

    Ausstellung Wein & Stein

            Bergsträsser Winzer eG                                           1. Advent 2000

 

Das Molybdän

 

Ähnlich Zink und Kupfer wird Molybdän vorwiegend an den Rebwurzeln gefunden. Es ist die Metallkomponente verschiedener Enzyme und wird nur in geringem Umfang in die Zellen eingelagert. Mangelerscheinungen treten praktisch nie auf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           

    Ausstellung Wein & Stein

            Bergsträsser Winzer eG                                           1. Advent 2000

 

Der Nährstoffentzug durch Reben bei den mittleren Bergsträßer Erträgen

 

Die Rebe ist eine der genügsamsten Kulturpflanzen überhaupt. Viele Nährstoffe werden im Holz eingelagert und stehen fürs nächste Jahr wieder zur Verfügung. Lediglich die Nährstoffe in den Trauben, (die, so müssen auch wir Winzer zugeben, überwiegend Wasser enthalten ...) werden der Anbaufläche entzogen. Anders als bei vielen landwirtschaftlichen Kulturen, bei denen die ganze Pflanze „geerntet“ wird, ist der Nährstoffentzug am Boden sehr gering.

Beim durchschnittlichen Hektarertrag der Bergstraße (ca. 1,2 kg Trauben pro qm) werden

pro Hektar Rebfläche durch die Trauben nur (!) etwa entnommen:

30 kg Stickstoff (N) pro Hektar,

4    kg Phosphor (P),

40     kg Kalium (K),

3    kg Magnesium (Mg)

4         kg Calcium

sowie Mengen im Grammbereich bei den Spurennährstoffen. Diese Zahlen berücksichtigen die heute übliche Wirtschaftsweise unserer Winzer, bei der alles Rebholz nicht mehr wie früher üblich verbrannt sondern gehäckselt und gemulcht wird. Somit verbleiben alle darin und in den abfallenden Blättern enthaltenen Nährstoffe für die Rebe erhalten. In Steillagen kann der Entzug häufig etwas größer ausfallen, da durch die Herbststürme die abgefallenen Blätter mit den darin enthaltenen Nährstoffen weggeweht werden

 

 

 

 

           

    Ausstellung Wein & Stein

            Bergsträsser Winzer eG                                           1. Advent 2000

 

Der Mineralstoffgehalt eines Weines mittlerer Qualität (ca. 80 Grad Oechsle)

 

Ein trockener (durchgegorener) Wein mittlerer Güte enthält etwa:

80 g Alkohol

6,5 g verschiedene Säuren (z.B. Weinsäure, Äpfelsäure, Milchsäure)

6         g Glycerin

2,5 bis 3 g Mineralstoffe „Asche“

2         g Stickstoffverbindungen

0,2             g Farbstoffe und Gerbstoffe (Weißwein)

1,5 g Farbstoffe und Gerbstoffe (Rotwein)

sowie in Spuren über 1000 weitere Inhalts- und Aromastoffe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           

    Ausstellung Wein & Stein

            Bergsträsser Winzer eG                                           1. Advent 2000

 

Die Geologie der Bergsträßer Böden

 

In ferner Zukunft wird die Bergstraße möglicherweise einmal die Küste eines Ozeans bilden.

Dies wäre die logische Konsequenz aus  einer Entwicklung, die schon imTertiär und Quartär (also der Erdneuzeit, Neozoikum) begann.

Beginnend in Afrika, durchs Mittelmeer, das Rhonetal, den Oberrheingraben bis hoch nach Oslo begann sich eine Kette von Absenkungen zu bilden.

Zeitgleich mit diesen Absenkungen wölbten sich die Seiten auf, Schwarzwald und Odenwald im Osten. Vogesen im Westen. Die Absenkungen betrugen immerhin 4-5 Kilometer!

Gleichzeitig verzerrte sich die Bruchlinie von Norden nach Süden ebenfalls um 4-5 km.

Im Laufe der Entwicklungsgeschichte wurden entlang der Bruchkante durch die natürlichen Erosionsvorgänge verschiedene geologische Schichten freigelegt.

Dabei wurde der vordere Odenwald fast komplett bis auf das kristalline Grundgebirge abgetragen, dem erdgeschichtlich ältesten und untersten Material.

Bei Heppenheim blieb allerdings noch eine darüberliegende Schicht aus dem Erdmittelalter „hängen“ – eine Bundsandsteinscholle! Sie trägt heute die Starkenburg.

Während des Tertiärs begann das Auffüllen des Grabenbruchs. Meeresvorstöße aus dem Süden brachten Faulschlämme (Erdöl, Erdgas!), Sande, Kiese und Kalke. Hinzu kamen die Flusssedimente von Rhein und Neckar, die den Oberrheingraben auf die heute verbliebene Höhe aufffüllten. Der Neckar floß übrigens in der frühgeschichtlichen Zeit entlang der Bergstraße. Die beim Autobahnbau der siebziger Jahre entstandenen Baggerseen liegen sämtliche im alten Neckarbett.

Die großen Flusslandschaften im Westen waren häufig großflächig vegetationslos. Von diesen Schotterflächen wehten starke Westwinde feinstes Bodenmaterial gegen den Odenwald. Dort im aufsteigenden Hangbereich wurde es zu mächtigen Lößablagerungen deponiert. Dies war die Entstehung großer heutiger Reblagen mit fruchtbaren Lößböden.

 

 

                       

    Ausstellung Wein & Stein

            Bergsträsser Winzer eG                                           1. Advent 2000

 

1. Sandige Lößböden

 

Diese Böden sind an der Bergstraße am meisten verbreitet. Sie sind tiefgründig, trocken bis mäßig feucht, meist kalkhaltig.

Sie treten bevorzugt auf den Kuppen und an Hängen auf. Sie sind leicht und mittelschwer. Wegen der überwiegenden Sandteilchen sind sie grobporig und haben wenig Wasserspeicherkapazität. Das Niederschlagswasser geht auf ihnen schnell verloren und sie sind stark erosionsgefährdet.

Wegen der guten Durchlüftung sind diese Böden sehr leicht erwärmbar und sehr früh im Jahr aktiv. In trockenen Jahren haben diese Standorte eher Probleme wegen Wassermangels, während sie in feuchten Jahren wegen der schnellen Erwärmung und guten Belüftung sehr qualitätsfördernd wirken.

Der starken Erosion versuchen unsere Winzer mit der Einsaat von Dauer- oder Teilzeitbegrünungen entgegenzuwirken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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2. Lößlehme

 

Etwas seltener sind an der Bergstraße die Lößlehme. Dies sind tiefgründige, frische bis feuchte Böden, die meist kalkhaltig sind. Sie haben durch die verwitterungsbedingte Neubildung von sekundären Tonmineralien einen hohen Anteil feinerer Tonteilchen. Diese Böden besitzen neben den günstigen chemischen Eigenschaften eine günstige Hohlraumverteilung mit großem Porenvolumen. Ihr Luft- und Wasserhaushalt ist nahezu immer optimal. Das Bodenleben ist sehr intensiv. Diese Böden finden sich häufig in den unteren Hangbereichen der Bergstraße.

 

         

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           

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3. Böden aus magmatischen Gesteinen

 

Überall dort, wo im Laufe der Jahre durch Bodenerosion die Lößbedeckung abgetragen wurde, kommen an der Bergstraße Böden vor, die durch Verwitterung der darunterliegenden kalkfreien magmatischen Gesteine entstanden sind. Ausgangsprodukte sind also Granite, Gneise und magmatische Schiefer. Je nach Verwitterungsgrad sind diese Boden mehr oder weniger tiefgründig, skelettreich (hoher Steinanteil), oder lehmig bis grusig. Diese Bodenarten sind in den Gemarkungen Bensheim und Auerbach häufiger anzutreffen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           

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4. Böden aus Bundsandstein

 

Bundsandstein kommt als geologische Besonderheit nur in einem kleinen Bereich bei Heppenheim am Steinkopf und am Schlossberg vor.

Diese Böden sind sehr flachgründig, wasserdurchlässig und sehr steinig. Daher haben diese Standorte ein eher geringes Ertragsniveau, jedoch wegen ihrer Südexposition nahezu immer herrausragende Qualitäten.

Diese Standorte sind wegen großer Hangneigung stark erosionsgefährdet. Leider sind diese Standorte wegen der schwierigen Bewirtschaftung in den letzten Jahren immer häufiger brachgefallen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           

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Unsere Weinlagen und ihre Böden

Alsbacher Schöntal:                       tiefgründige Lößlehmböden, ideale Standorte für Riesling

Zwingenberger Alte Burg:              überwiegend flachgründige Kiesböden (Verwitterungsböden). Eher geringeres Ertragsniveau mit höheren Qualitäten. Vereinzelt auch leichte Böden mit sandigem Lehm.

Zwingenberger Steingeröll:           Lehm und Kiesböden, Steillage mit kalkarmen Böden, stellenweise Lößlehm

Auerbacher Höllberg:                                     Sandböden, Granitverwitterungsböden, leicht bis mittelgründig, vereinzelte Lehmadern

Auerbacher Fürstenlager:             Sandiger Lehm, Granitverwitterung, einige Lößschluchten

Bensheimer Kalkgasse:                               Granitverwitterung, flachgründig und skelettreich, steinig, grusig, Kalkverwitterungsgestein (Name), z.T. felsig

Bensheimer Streichling:                Lößlehmböden, Granitverwitterungsböden, leicht, eher humusarm. Im östlichen Teil um Zell auch frische Lehmböden

Bensheimer Paulus:                      Granitverwitterungsböden, leicht erwärmbar, skelettreich und erosionsgefährdet

Bensheimer Hemsberg:                Granitverwitterungsböden, überwiegend stark sandige und eher leichte Lößlehmböden, sehr gut erwärmbar. Gute Vorraussetzungen für Riesling

Heppenheimer Stemmler.            Überwiegend fruchtbare Lößböden. Ideal für viele Rebsorten

Heppenheimer Steinkopf:             Bundsandsteinverwitterungsboden, steinig, grusig z.T. felsig

Heppenheimer Maiberg:                Bundsandstein, sonst sandiger leichter Lehm bis skelettreicher Löß, leicht erwärmbare Spitzenlagen, leider erosionsgefährdet

Heppenheimer Guldenzoll:                          sandige Lehmböden, teilweise sehr leicht und erosionsgefährdet, stellenweise auch tiefgründig, gut für Riesling und Burgundersorten

Heppenheimer Eckweg:                tiefgründige fruchtbare Löß- und Lößlehmböden, gute Wasserhaltekraft und hoher Feinerdeanteil. Ideal für Burgundersorten

           

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Die Standortkartierung

 

In unseren Bergsträßer Weinlagen wurden Ende der 60 er Jahre vom Landesamt und Weinbauamt rund 280 verschiedene Bodenarten kartiert. Einen Teil dieser umfangreichen Bodenkartierung finden Sie heute in unserer Ausstellung.

Diese Bodenkartierung stellt in Verbindung mit der Standortkartierung auch heute noch eine wertvolle Hilfe bei der Auswahl von Rebsorte und Unterlage für den Winzer dar.

Die Bodenkartierung behandelt nicht nur die Bodenarten an der Oberfläche sondern auch die Merkmale des Untergrundes. Sie lässt somit wertvolle Schlüsse auf das Durchwurzelungsvermögen oder den Feuchtigkeitshaushalt zu.

Im Durchschnitt ist bei 280 Bodenarten und 260 ha Mitgliedsfläche eine einheitliche Bodenart an der Bergstraße nur 1 ha groß! Großräumige Flurbereinigungen und Planierungen wie in großen Anbaugebieten mit riesigen zusammenhängenden Flächen sind daher an der Bergstraße allein schon bodenbedingt kaum möglich.

Typisch für viele Bergsträßer Weinberge ist es, dass die Bodenart auf ein und derselben Parzelle oft mehrfach wechselt! Dies drückt sich oft im Herbst darin aus, dass die Winzer nicht selten aus demselben Weinberg im Herbst unterschiedliche Qualitäten anliefern! Feinerdeanteil, Feuchtigkeitsgehalt und kleinklimatische Besonderheiten führen je nach Jahreswitterung dazu, dass einmal der eine Teil, im anderen Jahr der andere Teil in Menge oder Güte vorn liegt.

Besonders deutlich sind die Unterschiede zwischen Hangfuß und Hangspitze ausgeprägt, die sich erosionsbedingt im Feinerdeanteil und damit der Fruchtbarkeit deutlich unterscheiden.

Unterschiede der Böden sind von der Rheinebene aus besonders im Herbst gut zu beobachten. Bestimmte trockene und humusärmere Standorte reifen früher aus, das Laub wird früher gelb und leuchtet schon von Ferne.

Die unterschiedlichen Gesteinsuntergründe der Bergstraße sind allein schon an der Zusammensetzung der Trockenmauern oder manchmal auch dem Ausbaumaterial der Weinbergshäuschen zu erkennen. Es gibt Granitmauern, Sandsteinmauern oder sogar an zwei kleinen Stellen Mauern aus sogenanntem Meeressandstein, der in zwei kleinen Inseln hervortritt.

           

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Kristalle im Wein

 

Kristalle im Wein sind etwas ganz Natürliches. Unter dem Mikroskop betrachtet sind die Kristalle in ihren Variationen schön und faszinierend.

Der Kellermeister sieht in der Ausscheidung von Kristallen ein Qualitätsmerkmal. Wird der Wein doch durch die Ausscheidung der im Überfluß vorliegenden Weinsäuren und der Alkalien Kalium und Calcium auf natürliche Weise harmonischer, runder und reifer.

Trotz aller Aufklärung sieht der Kunde Kristalle im Flaschenwein immer noch als Reklamationsgrund an.

Kristalle im Schaumwein sind auch seitens der Kellermeister nicht erwünscht, da sich das Kohlendioxid an den Kristallen entbindet und es zum Überschäumen beim Öffnen der Flasche kommen kann.

Grundlage der Kristallisation

Der Wein ist ein komplexes Lösungsgemisch. Er enthält unter anderem Ionen und Salze. Ist die Anzahl der Ionen größer als die Löslichkeitsprodukte der betreffenden Salze, so besteht eine Übersättigung und es kann zu Kristallausscheidungen kommen. Zeitpunkt und Menge ist schwer auszurechnen, da vielfältige Komponenten eine Rolle spielen. Sie wird beeinflusst von 

Kaliumgehalt                                                                                             Calciumgehalt

Weinsäuregehalt                                                                      Äpfelsäuregehalt

Schleimsäure                                                                                           Oxalsäure

Temperatur                                                                                pH-Wert

Gärung                                                                                        biologischer Säureabbau

Entsäuerung                                                                                             Lagerbehälter

Kristallisationsinhibitoren                                                       Klärung und Filtration

               

           

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Kristallisationsschritte im Wein

 

1.       Keimbildung (Induktionsphase)

Einige Ionen oder Moleküle lagern sich in einer bestimmten Ordnung zusammen und bilden die Ansatzpunkte für weitere. Als Ansatzpunkte kommen auch Staubteilchen, Rauigkeiten an Gefäßwandungen in Frage. (Bsp. Raue Holzfaßwandungen, Flaschenkork)

 

2.       Ionenwanderung (Diffussionsphase)

Durch elektrostatische Anziehung wandern die Ionen zu den aktiven Stellen, den freien Valenzen der Kristallisationskeime. Je kürzer der Weg dorthin um so stärker wird die Auskristallisation.

 

3.       Anlagerung (Integrationsphase)

Die Ionen setzen sich an den freien Valenzen der Kristallisationskeime fest und werden in das Kristallgitter eingebaut. Die Kristallisation verläuft bis zum Sättigungsgrad. Wird später eine der Einflußgrößen verändert, sinkt z.B. die Temperatur, so kann eine zweite Kristallgeneration entstehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

           

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Kristallisationspartner im Wein

 

Kristallsalze im Wein bestehen aus zwei Komponenten: Einem kationischen anorganischen Alkalipartner (Kalium, Calcium) und einem anionischen organischen Säurepartner (Weinsäure, Äpfelsäure, Schleimsäure, Oxalsäure).

Kalium kommt in Most und Wein in sehr großen Mengen vor (Im Most bis 3 g /L). Die Konzentration hängt ab von Standort, Düngung, Witterung, Rebsorte, Reife und Bearbeitung. Es kann sich bereits in der Traube mit Weinsäure zu dem sauren Salz Kaliumhydrogentartrat verbinden. Während des Ausbaus gehen die Gehalte im Wein bis auf 0,5 bis 1,5 g/L zurück. Zu Weinsteinausfällungen kann es etwa ab 0,6 g/L kommen.

Calcium kommt in Mengen zwischen 0,07 g und 0,2 g /L vor. Es kann besonders in regenreichen Jahren, durch edelfaules Lesegut und durch kalkreiche Böden in den Wein gelangen. Auch bei erhitzten Rotweinen liegen die Gehalte höher. Calciumausscheidungen können etwa ab 0,08 g /L auftreten.

Weinsäure liegt im Wein in drei Formen vor: Als freie Weinsäure, als Hydrogentartration und als vollkommen dissoziertes Ion. Die Mengenverhältnisse sind abhängig von Temperatur und pH-Wert. Üblicherweise liegt der Weinsäureanteil etwa bei 40 bis 60% des gesamten Säureanteils. Somit kann es relativ schnell zu Ausscheidungen kommen, denn diese ist schon ab etwa 1 g/L Weinsäure möglich.

Äpfelsäure ist neben der Weinsäure die wichtigste Säure, die hauptsächlich bei unreifem Lesegut überwiegen kann. Für sich allein bildet die Äpfelsäure mit Kalium oder Calcium keine Kristalle. Jedoch kann sich in Verbindung mit Weinsäure ein Calciumdoppelsalz, das sogenannte Calciummalattartrat bilden. (Doppelsalzentsäuerung)

Schleimsäure kommt nur in Mosten mit edelfaulem Lesegut vor. In Verbindung mit Calcium kann dann das sogenannte Calciummucat ausfallen.

Oxalsäure ist ebenfalls in Folge von Edelfäule im Most zu finden. Sie kann ebenfalls mit Calcium reagieren, die Bedeutung für den Wein ist aber sehr gering.

 

 

 

           

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Kristallarten im Wein

 

Kaliumhydrogentartrat (Weinstein)

Bekannteste Kristallart

Aussehen: fein kristalliner Niederschlag, weißlich bis bräunlich, oft an rauen Stellen der Flasche oder am Kork. Geschmack leicht sauer. Unter dem Mikroskop erinnern die Kristalle an Hinkelsteine, uneinheitlich mit unebener Kantenfläche.

Calciumtartrat (Ca-Salz der Weinsäure)

Die am meisten in Flaschenweinen vorkommende Kristallart

Aussehen: feine bis grobe, klare geschmacklose Kristalle

Calciummalattartrat (Doppelsalz der Äpfel- und Weinsäure)

Kommt in Flaschenweinen üblicherweise nicht vor

Aussehen: weiß, sehr feine Kristalle, igelförmig und nadelförmig fein

Calciummucat (Salz der Schleimsäure)

Ausscheidungen treten erst lange nach der Flaschenfüllung auf.

Aussehen: weiß, grießförmig, nicht durchscheinend, nur in hochwertigen Weinen aus edelfaulen Trauben (Auslesen)

Calciumoxalat (Salz der Oxalsäure)

Aussehen: Feine, kaum sichtbare Kristalle, oktaederförmig

Calciumuvat (Calciumsalz der DL-Weinsäure)

Aussehen: nadel bis stäbchenförmig, klare Kristalle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

         

                                                                                                   
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