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Der Weinbau in Heppenheim im 20. Jahrhundert. (C) Vinzenz Antes 2005 im Festbuch 1250 Jahre Heppenheim, vorgestellt am 1.7.2005 Einleitung Im Jahre 773 wurden Weinberge in Heppenheim erstmals urkundlich erwähnt. König Karl schenkte die Mark Heppenheim der Abtei Lorsch. Vermutlich waren es schon die Römer, welche die Reben an die Bergstraße brachten; mit Sicherheit aber die Franken. In einer Veröffentlichung im Buch “1200 Jahre Mark Heppenheim“ (1973), hat der Heimatforscher Ferdinand Koob sehr ausführlich die Geschichte des Heppenheimer Weinbaus beschrieben und durch viele Urkunden, Zinsbücher, Briefe und Aufzeichnungen bis in das 19. Jahrhundert belegt. Bedingt durch die günstige Lage und dem milden Klima spielte der Weinbau in all diesen Zeiten immer wieder eine große Rolle. Höhepunkte und Rückschläge lösten einander ab. Die größte Ausdehnung war wohl in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Nach einem starken Rückgang, bedingt durch den 30-jährigen Krieg , erholte sich der Weinbau bald wieder und die Fläche wuchs ab der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts ständig. Im Jahre 1803 waren es bei der Übergabe des Oberamtes Starkenburg von Kurmainz an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt bei einer genauen Bestandsaufnahme 206 Hektar Weinberge in Heppenheim. Es setzte eine Blütezeit ein und der Weinbau wurde für die Einwohner zu einem Hauptnahrungszweig. Die Rebfläche betrug nun bald stattliche 300 Hektar. Dies berichtete ein damaliger Stadtrat Müller in einer Beschreibung der landwirtschaftlichen Verhältnisse der Gemarkung Heppenheim. Jährlich wurden im Durchschnitt ca.1.000.000 Liter Wein erzeugt, das entspricht einem Ertrag von 33 Hektoliter pro Hektar. Im Jahre 1833 verfasste Johann Philipp Bronner, Großherzoglich Badischer Ökonomierat, Apotheker und Weingutsbesitzer aus Wiesloch, einen umfassenden Bericht über Weinbau und Weinbereitung an der Bergstraße. Mit sehr großer Sachkenntnis und einer genauen Beschreibung der Verhältnisse in Heppenheim und an der ganzen Bergstraße gibt er einen guten Einblick über die Situation des Weinbaus in dieser Zeit. Unterbrochen wurde die Entwicklung, als im sehr kalten Winter 1879/80 ein großer Teil der Weinberge vernichtet wurde. Damals wurde den Grundstücksbesitzern der rentablere Anbau von Hopfen und Tabak empfohlen. Beide Kulturen hatten aber nur kurze Zeit existiert und der Weinbau wurde wieder bedeutender. Bild: Heppenheimer Schlossberg um 1890 1900 - 1925 Guter Anfang – Katastrophen – Schwere Zeiten Der Beginn des 20. Jahrhunderts war für die Heppenheimer Winzer recht gut und voller Hoffnung. In dieser Zeit wurden viele neue Weinberge angelegt. Einige Weinhandlungen kauften Trauben und auch die Fassweine auf. Die Gastwirte an der Bergstraße und im Odenwald bezogen ihre Weine aus Heppenheim. Mit Pferdefuhrwerken wurde der Wein bis Heidelberg und Darmstadt befördert. Nicht immer befriedigten dabei die erzielten Erlöse. Gründe hierfür waren die vielen Weine, welche aufgrund nicht ausreichender gesetzlicher Bestimmungen gefälscht waren und sogar eine in Deutschland üblich gewordene Kunstweinproduktion. Erst als 1909 ein strengeres Weingesetz erlassen wurde, besserte sich diese Lage wieder. Wie oft in solchen schwierigen Zeiten kam es daher im Jahre 1904 zur Gründung des “Starkenburger Winzerverein eGmubH“, einem Zusammenschluss der Winzer zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage. Der damalige Bürgermeister Wilhelm Höhn wurde zum ersten Vorsitzenden und der Pfarrer von St. Peter Bartholomäus Mischler zum Aufsichtsratvorsitzenden gewählt. Mit viel Elan wurden die Einrichtungen im Keller und Kelterhaus des Kurmainzer Amtshof geschaffen. Im Jahr der Gründung wurden auch 86.917 Liter Wein gelagert. Der erste Fassweinverkauf erfolgte an das katholische Vereinshaus in Heppenheim. Auch auswärtige Abnehmer wurden mit viel Wein beliefert. Die Raiffeisenkellerei in Breslau erhielt allein 15.000 Liter. Die Einlagerungsmenge von 1904 wurde erst wieder im Jahre 1951 erreicht und mit 103.300 Litern übertroffen. Der bisherige Jahresrekord waren 3.221.603 Liter im Jahre 1992. In dieser Zeit ist auch die Hessische Weinbaudomäne mit der Anlage von Musterweinbergen in der Lage Steinkopf tätig geworden, um den Winzern ein Beispiel zu geben. Diese Flächen wurden später wesentlich vergrößert. Nach den erfreulichen Anfängen zu Beginn des Jahrhunderts kam es leider schon bald zu einem Rückschlag mit katastrophalen Auswirkungen: Die aus Nordamerika eingeschleppten Pilzkrankheiten Oidium und Peronospora breiteten sich auch an der Bergstraße aus. Nur in den trockeneren Jahren gab es noch einen nennenswerten Ertrag. Besonders 1906 und 1910 waren Totalausfälle zu verzeichnen. Von großem Nachteil erwies sich auch die Zeit des Ersten Weltkrieges. In den 20er Jahren bekam man durch eine wirksame Schädlingsbekämpfung die Krankheiten langsam in den Griff. In der Zwischenzeit waren aber viele Weinberge zur Brache geworden oder sie wurden mit Obstbäumen und Beerensträuchern bepflanzt. Für die Winzer war es im Jahre 1925 ein Glücksfall, dass der in Heppenheim gebürtige Landwirtschaftsrat Dr. Leonhard Schül als Leiter der Landwirtschaftsschule sich sehr stark für die Beratung einsetzte. Zusätzlich übernahm er auch den Vorsitz im Starkenburger Winzerverein. Zu dieser Zeit wurden auch mehrere kleine Weingüter gegründet. Wesentliche Impulse brachte die Zusammenarbeit mit der zuständigen Weinbauschule in Oppenheim, die durch junge Leute von der Bergstraße besucht wurde. In diesen Jahren begann man die seither traditionelle niedrige Pfahlerziehung durch die neu entwickelten Drahtrahmen zu ersetzen.
Der frühere Bergsträßer
Bockschnitt bestand aus einem kurzen Stamm mit einem Kopf in ca. 20 cm Höhe, 3-4
gut verteilten Schenkeln und je einem Zapfen einjährigen Holzes mit 2-3 Augen:
Diese seit Jahrhunderten übliche Erziehung gehörte bald der Vergangenheit an. Nur bei der alten Lokalrebsorte Blauer Wildbacher war sie noch etwas länger anzutreffen. Neben der Pfahlerziehung gab es an der Bergsraße damals noch sogenannte Trudelwingerte, das waren Holzrahmenunterstützungen, die sich aus dem Kammertbau entwickelten, der römischen Ursprungs war. Bei der neuen Drahterziehung änderte sich dann auch der Rebschnitt. Jeder Rebstock erhielt ein ca. 40-60cm hohes Stämmchen mit eine Fruchtrute, welche als Halbbogen in der Zeilenrichtung angebunden wurde. Hierbei wird immer einjähriges Holz auf ein kurzes zweijähriges Stück angeschnitten. Aus den Knospen (auch Augen genannt) des einjährigen Holzes entwickeln sich die Sommertriebe mit den Trauben. Diese Erziehungsform ist immer weiter entwickelt worden, um den Aufwand für den Rebschnitt und die Laubarbeiten zu reduzieren. Das gestiegene Interesse bewirkte bei den Winzerfamilien mit der guten Pflege der Reben einen regelrechten Wettbewerb. Damals entstanden auch viele der zum Teil noch heute erhaltenen Weinbergshäuschen. Das zur Schädlingsbekämpfung für die Spritzbrühe benötigte Regenwasser wurde auf den Dächern aufgefangen und in Bassins gesammelt. Als Hauptrebsorte dominierte der Silvaner bis in die 50er Jahre. Man nannte ihn auch Österreicher oder Grüner. Er brachte in den weit verbreiteten Lößböden gute Erträge. Auf den Sand- und Kiesböden der oft steinigen Steillagen wuchs die Bedeutung des Rieslings. Auch der „Blaue Wildbacher“ war noch recht lange in den Weinbergen anzutreffen. Ende der 20er Jahre wurde auch die bereits im vorherigen Jahrhundert gezüchtete Müller-Thurgaurebe heimisch. Sie hatte ihren größten Flächenanteil ca. 1970-1980 erreicht und ging dann wieder zurück. In den wirtschaftlich schlechten Nachkriegszeiten, verbunden mit einer galoppierenden Inflation und der anschließenden Massenarbeitslosigkeit, wurden viele der oft sehr kleinen Parzellen durch verschiedene Kulturen genutzt, um damit die Ernährung der Familien zu sichern. Dazu gehörte aber auch die verbreitete Tierzucht mit Schweinen, Ziegen und Federvieh. Heppenheim hatte im Jahre 1926 etwa 7700 Einwohner, von denen 1200 ihren Erwerb in der Landwirtschaft fanden. Es gab insgesamt 942 landwirtschaftliche Betriebe, von denen 262 hauptberuflich waren. Die Stadt war damals sehr stark geprägt von der Landwirtschaft. Beschäftigungsmöglichkeiten gab es in zahlreichen Zigarrenfabriken, der Steinindustrie, in Strickereien und dem Heppenheimer Tonwerk. Auswärtige Beschäftigungsstellen in der Industrie konnte man vorwiegend in Weinheim und Mannheim finden.
1926 – 1950 Viele Veränderungen – Neues Leben im Kurmainzer Amtshof
Diese Zeit begann mit dem
für die weitere Entwicklung des Heppenheimer Weinbaus wichtigen Aufbau des
Hessischen Rebmuttergartens. In den Lagen Landberg und Erbel im nördlichen Teil
der Gemarkung wurden vom Land Hessen über 200 Parzellen mit einer Gesamtfläche
von 17 Hektar aufgekauft. Abgesehen von 1 Hektar für einen Versuchsweinberg,
pflanzte man nur Amerikaner-Unterlagsreben, die zur Herstellung von Pfropfreben
benötigt wurden. Der Weinbau mit europäischen Rebsorten hatte nur noch eine
Überlebenschance durch das Aufpfropfen der Edelreiser auf die reblausresistenten
Amerikanerreben.
Bild: Hessischer Rebmuttergarten Diese benötigte man dringend in vielen Weinbaugebieten, die schon stark von der Reblaus befallen waren. An der gesamten Bergstraße selbst ist glücklicherweise bis heute noch kein Reblausbefall aufgetreten. Zur vorbeugenden Sicherung gegen einen Befall hatte man schon ab 1952 den Anbau von wurzelechten Europäerreben verboten. Heute sind alle Weinberge mit Pfropfreben bepflanzt.
Nun war auch die Zeit
gekommen, in der im Kurmainzer Amtshof mit seinem jahrhundertealten Keller neues
Leben erwachte:
Der mit der Geschichte dieses Gebäudes durch seine Arbeiten für immer eng verbundene Heimatforscher Dr. Heinrich Winter, hatte hierzu gute Voraussetzungen geschaffen. In der Zusammenarbeit zwischen der Stadt und dem Starkenburger Winzerverein, der schon seit seiner Gründung im Jahre 1904 den Keller und eine provisorische Kelterhalle nutzte, wurde in dem an der Westseite des Amtshof liegenden Gebäude im Jahre 1928 ein neues Kelterhaus eingerichtet. Zur Förderung des Weinabsatzes schuf man gleichzeitig einen Weinausschank. 1938 wurde nach langen Bemühungen und großer finanzieller Beteiligung des Winzervereins der schöne, große Saal des Erdgeschosses umgebaut und von allen aus früheren Zeiten mit den unterschiedlichsten Nutzungen bestehenden Lasten befreit. Als sogenannter Winzerkeller wurde er zu einem weit bekannten Weinlokal. 1951 folgte dann im weiteren Ausbau der hintere Saal und 1969 hatte man in einem großen und sehr aufwändigen Umbau den gesamten westlichen Teil des Hauptgebäudes, vom Kellerfußboden bis zur Decke des Kurfürstensaales, ausgekernt und wiederaufgebaut. Damit beschaffte man in vier Stockwerken die, für eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung des Lokales, notwendigen Räume. Bei diesen Erneuerungen wurde mit Unterstützung der Denkmalpflege und der Stadt der Charakter des Anwesens immer gut gepflegt und erhalten. Die Winzergenossenschaft hatte auch für diese umfangreichen Baumaßnahmen hohe finanzielle Aufwendungen zur Erhaltung des Gebäudes geleistet, obwohl sie in all den Jahren lediglich der Mieter war. Früher war im Jahresablauf die Kirchweih das größte Fest. Es gab die Fastnacht, Sommer-, Sänger- und Sportfeste und manch andere Anlässe zum Feiern. Etwas Neues waren für Heppenheim die Festspiele und die Bergsträßer Sommernächte, die in den Jahren 1934 – 1938 auf dem Marktplatz und dem Graben in einem großen Weindorf gefeiert wurden. Ein großer Festzug war jeweils der Höhepunkt. Es war der Lehrer Hans Holzamer, der mit großem Idealismus und viel Organisationstalent die Bürger der Stadt für die Mitwirkung begeisterte. Dazu zählte auch die erste Weintaufe im Jahre 1937. Der neue Wein erhielt damals den Namen „Starker Borsch“. Leider wurden all die guten Ansätze durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges jäh unterbrochen. Auch für die Entwicklung des Weinbaus waren dies traurige Zeiten. Alles Streben und positives Wirken waren unmöglich geworden. Nach Kriegsende waren es Trost und Freude zugleich, dass die ersten Weinjahrgänge von 1945 bis 1949 von sehr guter Qualität waren, nur die Menge ließ zu wünschen übrig. Bergsträßer Wein war in dieser Zeit als Mangelware ein sehr begehrtes Produkt. Die Einführung der Deutschen Mark am 20. Juni 1948 wurde zur Initialzündung für den langsam beginnenden Wiederaufbau und alle Bürger strengten sich an, um durch ihren Einsatz und viel Arbeit die schwierige Lage zu verbessern.
1951 – 1975 Aufbruch in vielen Bereichen - Einzug der Technik
In der nun beginnenden
zweiten Hälfte des Jahrhunderts begann auch für den Weinbau in Heppenheim die
Zeit eines vielfältigen Wandels. Dieser erstreckte sich auf alle Bereiche der
Weinbautechnik, Rebenerziehung, Rebsortenauswahl und Kellertechnik. Werbung für
den Wein wurde zunehmend notwendig. Für den bereits im Jahre 1946 gegründeten
Weinbauverein Bergstraße gab es hierbei eine große Fülle von Aufgaben zu
bewältigen. Dabei mussten auch die Interessen der Winzer in der Öffentlichkeit
vertreten werden. Eine rege Versammlungstätigkeit setzte ein. Viele Fachvorträge
von Rednern über weinbautechnische und weinbaupolitische Fragen, wurden
gehalten. Gut organisierte Lehrfahrten in andere deutsche Weinbaugebiete und
auch ins Ausland dienten zur Information und gaben den Winzern gute Beispiele.
Regelmäßig durchgeführte Weinbergsrundgänge und Winzerstammtische befassten sich
mit den jeweils aktuellen Fragen. All dies bewirkte einen großen Aufschwung im
Bergsträßer Weinbau.
Bild: Traubentransport mit zwei OS (Ochsenstärken) Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch die wertvolle Beratungstätigkeit für die Winzer durch die Landwirtschaftsräte Franz Wattendorf und Ernst Eichhorn. Beide haben sich über viele Jahre große Verdienste um den Bergsträßer Weinbau erworben. All diese Maßnahmen waren auch für die Mitglieder des Starkenburger Winzervereins und dessen Entwicklung sehr nützlich. Dieser wurde 1954 in Starkenburger Winzergenossenschaft, 1959 in Bergsträßer Gebietswinzergenossenschaft und 1994 in Bergsträßer Winzer e.G. umbenannt. Die vormals von der Weinbauschule in Oppenheim erfolgte Beratung der Winzer ging, bedingt durch die Neugliederung der Bundesländer nach dem Zweiten Weltkrieg, auf das Weinbauamt Eltville über. Ein Teil der Aufgaben wurden bis 1971 durch das Landwirtschaftsamt Heppenheim und der einige Jahrzehnte bestehenden Landwirtschaftskammer übernommen. Diese verwaltete auch den Hessischen Rebmuttergarten bis zum Jahre 1971, welcher nach deren Auflösung in das Staatsweingut Bergstraße eingegliedert wurde. Der Anbau von Amerikaner-Unterlagen wurde zu dieser Zeit schrittweise eingestellt. Deren Produktion findet heute hauptsächlich in Italien und Frankreich statt. Den gesamten Rebmuttergarten stellte man dann auf Ertragsweinbau um. Die stark gestiegene Nachfrage für den Bergsträßer Wein führte schrittweise zur Erweiterung der Rebflächen. Sehr tiefe Temperaturen bis -28°C im Februar 1956 brachten einem großen Rückschlag und fast einen totalen Ausfall der Ernte. In der Folgezeit stieg die bepflanzte Rebfläche in Heppenheim unter Einbezug der damals noch selbstständigen Gemeinden Hambach und Erbach weiter an, von ca.140 Hektar im Jahre 1955 auf gut 200 Hektar im Jahre 1975. Dabei setzte man nicht nur auf eine Vergrößerung des Angebots, sondern auch konsequent auf die Steigerung der Qualität der Weine. Schon 1948 veranstaltete der Weinbauverein die erste Bergsträßer Weinprämierung, welche seit dieser Zeit alljährlich stattfindet. Frühzeitig wurde auch die Notwendigkeit der Beteiligung an den Landes- und Bundesweinprämierungen sowie an internationalen Wettbewerben erkannt.
Bergsträßer Weinmarkt Nach den ab 1948 in Heppenheim, mit großem Erfolg stattgefundenen Bauerntagen, wurde1952, wegen der zunehmender Bedeutung des Weinbaus mit dem Bergsträßer Weinmarkt ein neues Weinfest ins Leben gerufen, das jeweils Ende Juni bis Anfang Juli gefeiert wird. Nach der Wahl der ersten Bergsträßer Weinkönigin Elisabeth Freiberger im Jahre 1953 haben immer wieder abwechslungsreiche Veranstaltungen viel dazu beigetragen, den Wein weithin bekannt zu machen. Die Heppenheimer Wirtschaftsvereinigung, der Weinbauverein und die Winzergenossenschaft mit Unterstützung der Stadt haben gemeinsam immer dafür gesorgt, dass dieses Fest eine große Anziehungskraft hatte. Bild: Bergsträsser Weinmarkt 1952 Als Veranstaltungsort wurde für den ersten Bergsträßer Weinmarkt der Kurmainzer Amtshof, das Kelterhaus und die anderen umliegenden Räumlichkeiten auserwählt. Dazu kamen zusätzlich noch Weinbuchten im Innenhof und auf dem Vorplatz zur „Kleinen Bach“. Auch der Kurfürstensaal war in den ersten Jahren in das Fest miteinbezogen, bis dieser bei der Zwölfhundertjahrfeier der Stadt Heppenheim, im Jahre 1955 restauriert wurde. Die Hauptbühne für die Veranstaltungen und den Tanz stand im Innenhof. Insgesamt war es ein kleines Weindorf, bei dem man ein Eintrittsgeld als Kostenbeitrag für den Aufbau und die Musik zahlen musste. Da der Andrang der Besucher immer größer wurde, erweiterte man im Jahre 1970 wesentlich und entfernte hierbei die Stallungen und Scheunen des in der Amtsgasse befindlichen städtischen Faselhofes. Der zunächst provisorisch ausgebaute Platz bot die Möglichkeit zur Aufstellung eines kleineren Zeltes und weiteren Imbiss-Ständen. Trotz einiger Widerstände konnte 1976, nach der Beseitigung des dort noch stehenden Wohnhauses, das gesamte Gelände ausgebaut werden. Die neue Fläche erhielt den Namen ,,Winzerhof“. Die Winzergenossenschaft übernahm die Kosten für die Anschaffung und Erstellung eines Winzerzeltes, in dem auch größere Veranstaltungen durchgeführt werden konnten. In der folgenden Zeit haben die, in diesem Bereich vorgenommen baulichen Veränderungen und Renovierungen, positiv das Stadtbild beeinflusst. Im Laufe der Jahre hatten sich die Verhältnisse für die Gestaltung sowie der Durchführung von Volksfesten schrittweise geändert und nach mehrjährigen Überlegungen gründeten deshalb die bisherigen Veranstalter, welche unter der Führung der Heppenheimer Wirtschaftsvereinigung seither lose zusammenarbeiteten, den Verein Bergsträßer Weinmarkt. Dieser besteht aus Mitgliedern der Heppenheimer Wirtschaftsvereinigung und Vertretern der Stadt, des Weinbauverbandes Hessische Bergstraße und der Bergsträßer Winzer eG. Damit wurde die solide Basis für eine Ausdehnung des Festes unter Einbezug auch des Marktplatzes und kleineren Teilen der Altstadt geschaffen. Das war dann auch die Zeit für das Entfernen der Kassenhäuschen. Der damit verbundene freie Eintritt erhöhte die Anziehungskraft des Festes schlagartig und wurde mit großer Freude begrüßt. Zahlreiche Musikkapellen sorgen seither für die Unterhaltung, wobei allerdings auch Wert darauf gelegt wird, dass besonders auf dem Marktplatz und auch an anderen Stellen ruhigere Zonen vorhanden sind. Als im Jahre 2001 der 50. Bergsträßer Weinmarkt gefeiert werden konnte, gab es großes und einhelliges Lob von vielen Seiten für die Gestaltung des Festes. Ein Höhepunkt war das Treffen fast aller Bergsträßer Weinköniginnen dieser Zeit. Die einmalige Kulisse der Heppenheimer Altstadt mit seinem wunderschönen Marktplatz, dem Dom der Bergstraße und dem Kurmainzer Amtshof begeistert immer wieder die Besucher Heppenheims. Bild: Vinzenz Antes im Kreise fast aller früheren Bergsträsser Weinköniginnen.. Seit mehr als 30 Jahren sind die von Hans Richter gegründeten Heppenheimer Festspiele zur Sommerzeit von Juli bis September ein weiteres großes Ereignis. Auch hierbei spielt der Bergsträßer Wein eine angenehme und begleitende Rolle, sehr zur Freude der Darsteller und Besucher. Die Winzer sind sehr dankbar für die hierbei erfolgende Steigerung des Bekanntheitsgrades ihrer Weine.
Grundlagen im modernen Weinbau Im Zusammenhange mit der weinbaulichen Entwicklung und der damit verbundenen Erhaltung der Kulturlandschaft wurden im Jahre 1960 vom Weinbauverein für Heppenheim und die anderen Gemeinden der Bergstraße Rebenaufbaupläne erstellt. Diese waren notwendig geworden, da leider vorher die Bemühungen zur Durchführung von Flurbereinigungen gescheitert waren. Die Winzer hatten diese zwar mit großer Mehrheit befürwortet, aber viele der damaligen Grundstücksbesitzer waren aus unterschiedlichen Gründen dagegen gewesen. Die zuständigen Behörden unternahmen bei dieser Situation nichts um die notwendigen Verfahren einzuleiten. Die Richtlinien in den Rebenaufbauplänen enthielten nun eine parzellenscharfe Abgrenzung des Rebgeländes und Hinweise, die bei der Anlage der Weinberge zu beachten waren. Andernfalls wurden keine staatlichen Beihilfen gezahlt, die allerdings auch nicht besonders reichlich waren. In den Jahren 1957 bis 1960 hatte das Landesamt für Bodenforschung eine flächendeckende Untersuchung der Weinbergsböden mit ihren Eigenschaften durchgeführt. Die Ergebnisse wurden dabei sehr genau kartiert und beschrieben. Sie sind auch heute noch gute Grundlagen für die Beratung der Winzer, hinsichtlich der Sortenauswahl von Edelreis und Unterlage, unter Berücksichtigung der Standortansprüche. Es schloss sich die kleinklimatische Geländekartierung an, die Aufschluss gibt über Strahlung, Frostgefährdung, Windverhältnisse und damit für die gesamte Bewertung der Weinbergslagen. Für den neuzeitlichen Weinbau wurden so immer mehr Voraussetzungen geschaffen. Da auch der Flächenanteil des Erwerbsweinbaus sich ständig vergrößerte, war eine Senkung der Produktionskosten zur Erhaltung der Wirtschaftlichkeit dringend notwendig. In der sehr klein parzellierten Heppenheimer Berggemarkung setzte in privater Initiative eine Entwicklung ein, bei der durch Zusammenfassung, Zukauf, Pachtung oder Grundstückstausch bessere Möglichkeiten für den Maschineneinsatz geschaffen wurden. Nur so konnte der hohe Anteil der Handarbeit reduziert werden. Die Bodenbearbeitung erfolgte anfangs durch kleine Fräsen, Einachsschlepper und später durch Weinbergsspezialschlepper. In Steillagen waren es zuerst tragbare Motor- bzw. Anbauseilwinden. In neuerer Zeit werden auch Raupenfahrzeuge eingesetzt. Beim Einsatz der Maschinen werden viele verschiedene Anbaugeräte verwendet, mit denen die Arbeiten schneller, besser und gründlicher erledigt werden können, als dies vorher der Fall war. Während besonders in deutschen Weingebieten mit flachen und ebenen Lagen, schon etliche Jahre die Handlese der Trauben durch die Vollernterlese abgelöst wurde, begann man dies Mitte der 90er Jahre auch an der Bergstraße. Dieser Einsatz wird jedoch nur im begrenzten Umfange in den hierfür geeigneten und nicht zu steilen Weinbergen möglich sein. Auch die fast generelle Abkehr von der intensiven Bodenbearbeitung zur Dauerbegrünung wurde nach der Einführung der zum Mulchen bzw. Mähen geeigneten Geräte rasch vollzogen. Heute sind fast alle Weinberge in Heppenheim begrünt. Diese Bewirtschaftungsform ist gerade zu als ideal zu bezeichnen, im Gegensatz zu der früher fast obligatorischen Bodenbearbeitung. Nach der durch die Maschinen möglichen Durchführung dieser Arbeiten konnten in relativ kurzer Zeit viele Weinberge bearbeitet werden. Dies führte dann bei Starkregen und Gewittern zu großen Abschwemmungen. Heute sind diese sehr viel seltener geworden und treten eigentlich nur noch in den Junganlagen auf, bei denen bis zum dritten Standjahr die Böden intensiv bearbeitet werden müssen. Um hier die Schäden zu begrenzen, wird nur einjährige Begrünung angewendet. Die bei Starkregen früher oft eingetretenen Abschwemmungen sind deshalb sehr viel seltener geworden, da diese durch die Begrünung weitgehend verhindert werden.
Freiwilliger Wegebau – Eine Gemeinschaftsleistung Es wurde mit der Zeit auch immer deutlicher, dass wegen der Strukturveränderungen das sehr schlechte Wegenetz in der Berggemarkung verbessert werden musste. Während früher kleine Handwagen, Kuh- und Pferdefuhrwerke üblich waren, gab die sich schnell verbreitende Motorisierung das Zeichen zum Aufbruch für den Ausbau der Wege. Hätte man geschlafen, wäre das Interesse für eine geregelte Bewirtschaftung der Flächen schnell verloren gegangen. Der Weinbauverein war hierbei sehr aktiv geworden und der freiwillige Wegebau begann im Jahre 1967. Alle Winzer wurden zur Mithilfe aufgefordert. Dies galt auch für die Besitzer von Grundstücken mit anderen Nutzungen. Die Resonanz war erfreulich und die Beteiligung vorbildlich. Die Kosten für das zum Ausbau benötigte Material wurden durch die Stadt übernommen und mit den Jagdpachterlösen aufgestockt. Der städtische Bauhof war dabei mit seinen Geräten behilflich. Auch halfen viele der Anlieger mit ihren eigenen Schleppern und Fahrzeugen. Mit der Zustimmung der Grundstücksbesitzer verbreiterte man die oft sehr schmalen Wege, schuf zusätzliche Ausweichstellen und stellte das hierfür benötigte Gelände freiwillig zur Verfügung, ohne es dabei neu vermessen zu lassen. Planung, Organisation des Einsatzes und alles was damit zusammenhing erfolgte ehrenamtlich. So wurde viel Geld gespart und es konnte mehr gemacht werden als am Anfang geplant war. Ursprünglich waren für den Ausbau ca. 20 Kilometer vorgesehen; als dieses Ziel erreicht war, kamen weitere 15 Kilometer hinzu. Es schloss sich ein zweiter Ausbau der Wege mit einer Gesamtlänge von bisher 10 Kilometern an. Hierbei wurden besonders die wichtigsten Hauptverbindungswege noch einmal verbreitert. Das Ganze stellte eine gewaltige Leistung dar, die durch Zehntausende von freiwilligen und kostenlosen Arbeitsstunden erreicht wurde. Alle Winzer, die seither in 40 Jahren durch ihre Mithilfe zum Gelingen des Ausbaus der Weinbergswege beigetragen haben, dürfen stolz auf die von ihnen geleistete Arbeit sein. Das Programm ist auch jetzt noch nicht abgeschlossen. Alljährlich sollen weiterhin kleinere Wegstrecken folgen. Ohne die Selbsthilfe der Winzer gäbe es die ganzjährig gut begehbaren Wander- und Spazierwege in der Heppenheimer Berggemarkung nicht.
Winzer gegen Bebauung der Hanglagen Erwähnenswert ist auch das Eintreten der Winzer für die Freihaltung, der im Landschaftsschutzgebiet befindlichen Hanglagen, von jeglicher Bebauung. Hierzu bedurfte es in den Jahren 1970 bis 1975 des gemeinsamen massiven Widerstandes gegen die geplante Errichtung des neuen Kreiskrankenhauses nördlich des Rebmuttergartens in der Weinbergslage Stemmler. Ein weiterer Versuch, dies auf den etwas östlicher gelegenen landwirtschaftlichen Flächen zwischen Hambach und Zell zu realisieren, wurde ebenfalls verhindert. Beides wäre das Ende für die Erhaltung dieses wunderschönen und reizvollen Teiles der typischen Bergstraßen-Landschaft gewesen. Auch die Bestrebungen, südlich der Stadt im Eckweg Baugelände zu erschließen, führten für deren Befürworter zu keinem Erfolg. Heute darf man darauf stolz sein, dass deshalb die Landschaft um Heppenheim in Größe und Schönheit an der ganzen Bergstraße zwischen Darmstadt und Heidelberg einmalig ist.
Neues Weinbaugebiet „Hessische Bergstraße“ Gravierende Veränderungen brachte das Inkrafttreten eines neuen Weingesetzes im Jahre 1971 und der damit verbundenen Neueinteilung der deutschen Weinbaugebiete. „Bergstraße“ war bis zu diesem Zeitpunkt die vorgeschriebene Bezeichnung für die Weine aus allen hessischen und badischen Gemarkungen der gesamten Bergstraße. Auf Wunsch des Badischen Weinbauverbandes sollte sich jedoch das Weinbaugebiet Baden, welches von Wertheim am Main, mit all seinen entlang des ganzen Oberrheins liegenden Bereichen geht, bis zum Bodensee erstrecken. Für den badischen Teil der Berstraße wurde zusammen mit dem Kraichgau ein neuer Bereich „Badische Bergstraße-Kraichgau“ gebildet. Um Verwechslungen zu vermeiden, musste der Rest des früheren Weinbaugebietes Bergstraße nun die Bezeichnung „Hessische Bergstraße“ tragen. Es gab Erwägungen diesen Namen als Bezeichnung für einen Bereich vorzusehen und ihn einem der benachbarten größeren Weinbaugebiete (Rheingau oder Rheinhessen) anzugliedern. Dies wurde aber von den betroffenen Winzern eindeutig abgelehnt. Diesem Wunsch wurde sowohl vom Deutschen Weinbauverband und den zuständigen Ministerien zugestimmt. So wurde die Hessische Bergstraße mit nur 400 Hektar Rebfläche zum kleinsten der damals elf eigenständigen Weinbaugebiete in Deutschland. Der seitherige „Weinbauverein Bergstraße“ benannte sich deshalb 1971 in „Weinbauverband Hessische Bergstraße e.V.“ um. Nun galt es den Namen rasch bekannt zu machen. Es war gleichzeitig auch der Beginn einer gezielten Werbung für den Wein des neuen Gebietes. Die Kosten hierfür wurden durch eine gesetzliche Abgabe im Rahmen des Stabilisierungsfonds für Wein finanziert. Die für die Gebietsweinwerbung benötigten Mittel werden durch die Winzer selbst auf der Grundlage einer Flächenabgabe aufgebracht. Die Tätigkeit des Weinbauverbandes „Hessische Bergstraße“ erstreckte sich auch auf eigene Absatzveranstaltungen bei den Weinfesten und den Weinkosthallen. Einen großen Sprung nach vorn bedeutete die erstmals 1988 von einer sehr aktiven Jungwinzergruppe ins Leben gerufene „Bergsträßer Weinlagenwanderung“, die seitdem jeweils am 1.Mai mit riesigem Erfolg wiederholt wird. Bis zu 150 Winzer, mit ihren Angehörigen, helfen hierbei jährlich ehrenamtlich bei der Arbeit. An acht zentral gelegenen Weinprobierständen können die Wanderer die Weine dort näher kennen lernen, wo sie gewachsen sind. Bei günstiger Witterung sind es oft zehntausende Besucher aus fast allen Gegenden Deutschlands und auch aus dem Ausland. Dieser 20 Kilometer lange Wanderweg von Heppenheim über Bensheim, Auerbach nach Zwingenberg - oder auch umgekehrt - führt durch eine sehr abwechslungsreiche Landschaft, deshalb ist er auch heute das ganze Jahr sehr stark besucht. Bild: Weinlagenweg am Heppenheimer Steinkopf Mit den Erlösen wurde dann nach einigen Jahren in Selbsthilfe der Weinlagenweg mit vielen Informationstafeln und einer guten Beschilderung ausgestattet. Weinbücher, Broschüren, Prospekte, Plakate, Fahnen sowie die Beteiligung an Messen und Ausstellungen gaben neue Impulse für den Fremdenverkehr und das Gastgewerbe in der Region.
Weinlagen – Klarheit durch neues Weingesetz Weinlagenamen sind meist von alten Flurnamen abgeleitet, welche teilweise schon seit mehr als 800 Jahren existieren. Sie dienten über viele Jahrhunderte zur Orientierung für die Besitzer des Geländes und die Namen wurden oft nur mündlich weitergegeben. Seit dem Mittelalter fanden sie zunehmend Eingang in die Urkunden. Die amtliche Abgrenzung, der unter den Flurnamen bekannten Flächen, erfolgte in den ersten Jahren des beginnenden 19. Jahrhunderts durch die Anlage eines genauen Katasters. Es enthält seit dieser Zeit die Hinweise über Lagen, Grenzen, Flächengrößen, Kulturarten und Eigentumsverhältnissen der Liegenschaften. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war es sehr selten, dass man den Lagenamen für die Herkunft des Weines gebrauchte. Dieser wurde meist nur unter der Ortsbezeichnung „Heppenheimer“ verkauft. Im Laufe der Zeit bürgerten sich etwa 15 Namen ein, welche für die genaue Bezeichnung der Herkunft des Weines Verwendung fanden. Diese waren aber nur ein sehr geringer Teil, der insgesamt über 100 im Heppenheimer Weinbergsgelände bestehenden Katasterlagen. Es war auch öfters üblich, ohne genaue Richtlinien mehrere benachbarte Lagen zusammenzufassen, die von der Exposition und den Bodenverhältnissen sehr ähnlich waren. Man sprach dabei von so genannten Gattungslagen. 1962 wurden bei einer ersten Lagenvereinfachung schon einige Namen gestrichen. Da es immer offensichtlicher wurde, dass eine zu große Vielfalt bei den Lagennamen und die damit verbundene Zersplitterung für die Vermarktung der Weine hinderlich war, wurden 1971 auf der Grundlage eines neuen Weingesetzes klare Verhältnisse geschaffen. Vorher war schon 1970 im Land Hessen das Gesetz über die Weinbergsrolle erlassen worden. Es wurde ein örtlicher Lagenausschuss gebildet, der die Stadt fachlich beriet und von dieser wurden die Anträge an das zuständige Weinbauamt Eltville eingereicht. Ein überörtlicher Sachverständigen-Ausschuss hatte die Aufgabe alle Anträge auf ihre Rechtsmäßigkeit zu überprüfen. Hierbei wurden die Einzel- und Großlagen genau abgegrenzt und in Karten eingetragen. Zusätzlich gibt es im Weinbaugebiet „Hessische Bergstraße“ die beiden räumlich getrennten Bereiche „Starkenburg“ und „Umstadt“. In Heppenheim verblieben nur noch die Einzellagen Eckweg, Guldenzoll, Maiberg, Steinkopf und Stemmler, die alle ihre Namen von üblichen Katasterbezeichnungen ableiten und zusätzlich das Centgericht, dessen Name erst 1950 üblich wurde, sicher in Anlehnung an eine alte in der Nähe liegende Gerichtsstätte am Landberg, Galgen genannt. Früher gab es noch Namen wie Krück, Ofenberg, Mausnest und Blinzig. Sie gehören heute der Vergangenheit an. Im neuen Weingesetz wurde auch die Möglichkeit der Verwendung eines Namens für die weinrechtliche Bezeichnung einer „Großlage“ eröffnet. Für alle in Heppenheim erzeugten Weine ist dies der „Schlossberg“. In Anbetracht dessen, dass es sich an der Bergstraße im Vergleich zu Rheinhessen und der Pfalz um ein sehr kleines Weinbaugebiet handelt, ist die Zahl der Lagen immer noch verhältnismäßig groß. In den dortigen Gebieten gibt es Einzellagen, die mit ihrer Fläche mehrmals so groß sind wie die Heppenheimer Großlage „Schlossberg“. Im Jahre 2004 hat man deshalb auch noch auf die Einzellage „Guldenzoll“ verzichtet, welche damals auf Wunsch eines Weingutes erhalten geblieben war. In der neueren Zeit verzichtet man immer mehr auf die Lagenbezeichnung. Dies ist z.B. auch in Frankreich oft üblich. Rebsortenweine treten stärker in den Vordergrund, auch Cuvées aus mehreren Rebsorten werden zunehmend von den Kellermeistern zusammengestellt. Viele Trends werden auch vom Geschehen im Ausland beeinflusst. Eingeführt wurde auch die sogenannte „Amtliche Qualitätsweinprüfung“. Alle Qualitätsweine aus einem bestimmten Weinbaugebiet, müssen seitdem zu 100% aus diesem stammen. Die Weine werden von einer Kommission sensorisch geprüft und müssen geschmacklich einwandfrei sein. Sie erhalten dafür eine amtliche Prüfungsnummer. Das Etikett muss bestimmte Angaben über Herkunft und weitere Details enthalten. Diese können bei Nachforschungen von Bedeutung sein. Insgesamt erfolgt in Deutschland die Kontrolle und die Auslegung der Bestimmungen durch die Behörden sehr gewissenhaft. Leider wird dies nicht in allen weinbautreibenden Gebieten ähnlich scharf gehandhabt.
1976 – 2000 Strukturveränderungen erfordern neue Ideen – Aufstieg der Winzergenossenschaft Für eine große Zahl der Weinbau betreibenden Familien in Heppenheim war es in diesen Zeiten sehr wertvoll, dass die schon 1904 gegründete Winzergenossenschaft ein gutes Fundament war, auf dem man weiter aufbauen konnte. Da der Heppenheimer Amtshof für die weitere Entwicklung nicht ausreichte, hatte man deshalb, nach dem Erwerb eines großen Bauplatzes, im Jahre 1959, in einem neuen Baugebiet westlich der Bundesstraße 3, den Neubau einer Kellerei begonnen. Dort ist schon im Herbst der Spitzenwein dieses Jahrgangs eingelagert worden. Die Kelterung war letztmals noch im alten Amtshof erfolgt. 1960 wurde dann mit großem Stolz die Einweihung des Gebäudes gefeiert. Bild: Neubau der Bergsträsser Winzer eG im Jahr 1960 In diesem Jahr gab es eine außergewöhnlich große Erntemenge, so dass alle Fässer und Tanks randvoll wurden. Nicht vorzustellen, wie es ohne diese Erweiterung der Lagerkapazität ausgesehen hätte. Der Zustrom von weiteren Mitgliedern verstärkte sich rasch und viele neue Weinberge wurden erstellt. Zur Erfassung der Ernten in den Jahren 1963/64 stand bereits die erste Erweiterung an. Die im Jahre 1952 in Auerbach gegründete Winzergenossenschaft beendete 1959 ihre Tätigkeit und fusionierte mit der Winzergenossenschaft in Heppenheim. Damit war die „Bergsträßer Gebietswinzergenossenschaft“ entstanden. Als Reaktion wurde daraufhin im Jahre 1960 in Bensheim noch mal eine neue Winzergenossenschaft gegründet, die sich dann 1970 ebenfalls Heppenheim anschloss. In fast regelmäßigen Abständen von jeweils 5 Jahren folgten weitere Bauabschnitte. Glücklicherweise war das erworbene Gelände ausreichend groß, um alle Erweiterungen baulich sinnvoll in den gesamten Gebäudekomplex eingliedern zu können. Beim Endausbau betrug die Gesamtlagerkapazität über 8 Millionen Liter. Diese setzten sich aus 7 Millionen Litern, vorwiegend Edelstahlbehältern und einem großen Holzfasskeller zusammen. Hinzu kamen noch die Lagermöglichkeiten für mehr als 1 Million Liter in Flaschen abgefüllter Weine. Da die Rebfläche der Mitglieder, in diesen Jahren, auf nahezu 300 Hektar wuchs, war es äußerst wichtig, die große Lagerkapazität zu besitzen. Insbesondere in den Jahren 1982/83 und 1992/93 folgten zwei sehr ertragsreiche Ernten unmittelbar hintereinander. Da es normal ist, dass bis zum endgültigen Verkauf eines Weinjahrganges oft mehrere Jahre vergehen und auch die gleichmäßige Belieferung der Absatzmärkte gewährleistet sein soll, galt die Regel, dass insgesamt für drei Durchschnittsernten Platz vorhanden sein muss. Diese Ziele waren mit dem 1993/94 erfolgten achten und letzten Bauabschnitt zum größten Teil erreicht. Es gab dann noch den Anbau einer Mehrzweckhalle, in der auch die notwendigen Einrichtungen für die sehr schnell zunehmende Rotweinproduktion ihren Platz fanden. Heute ist es immer wieder notwendig, rechtzeitig Ersatzbeschaffungen vorzunehmen, um in in der Kellertechnik, dem Weinausbau und dem Vertrieb der Weine konkurrenzfähig zu bleiben. Damit wurden in den vergangenen Jahrzehnten mit der Errichtung der Kellerei alle Vorraussetzungen geschaffen, die für die Entwicklung des Bergsträßer Weinbaus notwendig waren. Bild: historische Jubiläumsweinlese in der Bergsträsser Winzer eG Neue Ideen und Werbung für den Wein In der Zukunft wird es immer wichtiger sein, den ständig wachsenden Ansprüchen der Weinfreunde gerecht zu werden. Hierbei gilt es auch die Veränderungen des Marktgeschehens genau zu beobachten und rechtzeitig zu erkennen. Die nationale und vor allem internationale Konkurrenz wird zunehmend größer und die Vermarktung der Weine muss deshalb durch noch attraktivere Angebote gefördert werden. Hierzu zählten seither schon hochwertige Rebsortensekte, die Einführung des Perlweines ‚,Primasecco ®“, verschiedene Brände, Gelees und Liköre. Durch die Etikettengestaltung und die Verwendung neuer Flaschenformen wurden die Ausstattungen noch ansprechender. Gut eingeführt haben sich z.B. die „Bergsträßer Blütenserie“, eine „Burgunder-Serie“ mit Künstleretiketten. Das gleiche gilt für die Terra Starkenburg®- Premium- und Selectionsweine. Eine neue Entwicklung in Deutschland wurde eingeleitet durch die Einführung einer gesetzlichen Hektarhöchstertragsregelung. Mit der Reduzierung der erzeugten Menge wird eine weitere Qualitätssteigerung angestrebt. Zusätzliche finanzielle Anreize sollen die Bereitschaft zur Herstellung von Selectionsweinen nachhaltig fördern. Der besonders in den letzten fünf Jahrzehnten, durch die Erzeugung vieler hervorragender Weine, erworbene gute Ruf für den Bergsträßer Wein sollte noch gesteigert werden, damit das kleine Weinbaugebiet seinen Platz innerhalb der deutschen Weinbaugebiete behaupten kann. Dazu gehört auch die Werbung, die für eine Steigerung des Bekanntheitsgrades der Weine notwendig ist.
Rebsorten im Wandel – Riesling bleibt König Der Anbau der verschiedenen Rebsorten führte ab der Mitte des 20. Jahrhunderts zu einer wesentlichen Verschiebung innerhalb des Sortiments. Der Rieslingsanbau wurde prozentual auf über 50% erhöht. Er hält diesen Anteil, heute zwar leicht abgeschwächt, noch immer. In Anbetracht des steigenden internationalen Renommees dieser deutschen Spezialität wird er die Hauptrebsorte bleiben. Vermehrt hat sich auch der Ruländeranbau, der nach einer kleinen Stagnation mit der Einführung der vornehmlich trocken ausgebauten Variante, „Grauer Burgunder“ genannt, wieder neuen Auftrieb erhielt. Einige Neuzüchtungen wie Ehrenfelser, Scheurebe und Kerner kamen in Mode und gehen in ihrem Anteil an der Rebfläche schon wieder zurück. Der Weißburgunder findet neuerdings stärkeres Interesse, während die frühere Hauptrebsorte Silvaner fast bedeutungslos wurde. Die Rotweinfläche lag lange Zeit unter 1% und hat sich beginnend vor etwa 20 Jahren in immer schnellerem Tempo erhöht. Die Ursache dafür war die aufkommende Hinwendung der Verbraucher zu Rotweinen. Begonnen hatte diese Entwicklung schon mit der vorrausgegangenen stärkeren Nachfrage nach Weißherbst- und Roséeweinen. Vor über 150 Jahren war der Spätburgunder hier schon einmal heimisch, danach aber fast wieder verschwunden. Diese qualitativ hochwertige Sorte fand in der Neuzeit wieder ihren Einzug in den Weinbergen. Sie hat heute bei den roten Traubensorten den größten Anteil. Auch der Dornfelder, Senkrechtstarter im letzten Jahrzehnt in den deutschen Weinbaugebieten, wird angebaut. Die alte Sorte St. Laurent erlebte ihre Wiederauferstehung. Die mit den Rotweinsorten bepflanzten Flächen nähern sich der 20% Marke und werden sicher noch weiter steigen. Da im Leben oft nichts beständiger ist als der Wandel, wird man in der Annahme nicht falsch liegen, dass auch in Zukunft nicht alle Veränderungen voraussehbar sein werden.
Erwerbsweinbau dominiert Die Anlage eines neuen Weinberges erfordert einen hohen Arbeitsaufwand, verbunden mit großen finanziellen Kosten. Die Entscheidung, welche Rebsorten angebaut werden sollen, ist für den Winzer deshalb so schwierig, weil er sich dabei für einen Zeitraum von manchmal mehr als 30 Jahren festlegen muss. In dieser Zeit kann sich, wegen der immer öfter wechselnden Trends, die Nachfrage nach Weinarten und bestimmten Geschmacksrichtungen stark verändern. Eine aus diesen Gründen bedingte vorzeitige Rodung, vor dem Erreichen des von der Natur her möglichen Lebensalters, würde große wirtschaftliche Verluste für die Erzeuger bedeuten. Diese Entwicklung begann mit immer größerer Deutlichkeit Mitte der 80er Jahre innerhalb der ganzen deutschen Weinwirtschaft. Die Erzeugung von Fassweinen, für den Verkauf, ist seitdem ständig unwirtschaftlicher geworden. Nur für die Weine von bestimmten Rebsorten, die bei den Verbrauchern beliebt sind, lassen sich noch befriedigende Preise erzielen. Der Ablauf dieser Veränderungen führte auch unausweichlich zu einer andern Struktur bei den Weinbaubetrieben. Während früher sehr viele der vorhandenen kleinen Parzellen durch Freizeit- Hobby- und Nebenerwerbswinzer bewirtschaftet wurden, haben sich die Verhältnisse bis heute total umgekehrt. So ist festzustellen, dass zu Beginn des 21. Jahrhunderts die drei größten Betriebe in Heppenheim zusammen ein Drittel der etwa 240 Hektar Rebfläche bewirtschaften. Es haben sich zusätzlich einige weitere Betriebe in den letzten Jahren entwickelt, die ihre Landwirtschaft durch eine Erhöhung ihres Weinbauanteils aufstockten. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Familien, die nebenberuflich Erwerbsweinbau betreiben. Die Zahl der Hobbywinzer, die ihren Wein selbst einkellern, wird ständig geringer. Deren Flächen werden meist von den Erwerbsbetrieben übernommen. Am Ende des 20. Jahrhunderts kann man davon ausgehen, dass die bewirtschaftete Rebfläche, fast vollständig Erwerbs- und Nebenerwerbsweinbau ist und ein sehr großer Teil der erzeugten Trauben und der hieraus gewonnene Wein durch die Bergsträßer Winzer eG, vermarktet wird. Außerdem gab es Ende des Jahrhunderts in Heppenheim ein größeres, selbst vermarktendes Weingut und in Verbindung mit einer Gaststätte ein weiteres kleines Weingut. Erwähnenswert ist auch ein großer Rebenveredlungsbetrieb, der 1952 in Heppenheim gegründet wurde. Die hergestellten Pfropfreben werden an viele Winzer und Weingüter in allen deutschen Weinbaugebieten und im europäischen Ausland geliefert. Die hierfür benötigten reblausresistenten Unterlagen werden heute überwiegend aus dem Ausland bezogen. Früher kamen diese aus dem Rebmuttergarten in Heppenheim. Zum Rebenveredlungsbetrieb gehören auch viele Versuchs- und Vergleichsanlagen zahlreicher Rebsorten und Rebklone mit Material von allen namhaften Züchtern. In den gleichzeitig als Schnittgärten amtlich anerkannten Anlagen werden auch die zur Rebenveredlung benötigten Edelreiser erzeugt. Alljährlich werden diese Vergleichsanlagen von vielen Winzern aus anderen Gebieten besucht und unter fachlicher Beratung besichtigt.
Erhaltung der Kulturlandschaft Für den Erhalt des Weinbaues in Heppenheim wird vor allem die weitere Entwicklung in den flächenmäßig größeren Gebieten nördlich der Stadt bis nach Bensheim und südlich im gesamten Eckweg entscheidend sein. Auf Dauer wird dies von der Erzielung kostendeckender Preise für die Trauben und den verkauften Wein abhängen. Die Winzer versuchen mit allen Mitteln die Erhaltung des Weinbaus zu sichern, indem sie große Anstrengungen und finanzielle Belastungen auf sich nehmen. Sie leisten damit auch einen mit viel Idealismus verbundenen Beitrag zur Pflege und Erhaltung der Kulturlandschaft. Dazu gehört auch die Sauberhaltung von störendem und überwucherndem Buschwerk an den vielen Böschungen. Hinzukommt noch die Anpflanzung und Pflege der für die Bergstraße typischen, frühblühenden Mandelbäume. Bild: typische Bergsträsser Weinbergshäuschen in der Lage Heppenheimer Stemmler Es war deshalb ein Glück für die Heppenheimer Berggemarkung, dass sich bei der in den letzten Jahrzehnten verhältnismäßig guten Entwicklung des Weinbaus genügend viele Grundstücksbesitzer entschlossen hatten, mit Reben weiter zu machen. Der früher in großem Maße vorhandene Obstanbau hatte leider bald nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges eine äußerst negative Entwicklung genommen. Händler und Genossenschaften kauften damals noch in großem Umfang das erzeugte Obst. Für Kirschen, Zwetschgen, Birnen, Äpfel, Pfirsiche, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Erdbeeren und vieles andere mehr gibt es heute nicht mehr die geringste Chance mit deren Anbau einen Erlös zu erzielen. Der Siegeszug der Südfrüchte Bananen, Orangen und vieler anderen Erzeugnisse waren bedingt durch die Veränderungen bei den Verbrauchergewohnheiten nicht zu verhindern. Ein weiterer Grund für das Verschwinden eines großen Teils des früher an der Bergstraße vorhandenen Obstbaumbestandes und dem damit verbundenen Blütenmeers, war auch die riesige Ausdehnung der Wohnbau- und Industriegebiete. Dieser Bebauung fiel der gesamte früher vorhandene Obstbaumgürtel, der sich rings um den alten Stadtkern erstreckte, zum Opfer. Dies war die Folge einer sehr starken Zunahme der Bevölkerung und die Notwendigkeit für diese eine ausreichende Anzahl von Arbeitsplätzen zu schaffen.
Weinbergsschluss – war einmal Durch die über Jahrzehnte anhaltende wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung, änderten sich für viele Menschen auch die Lebensgewohnheiten. Die tägliche Arbeitszeit verkürzte sich und dadurch gab es mehr Zeit für Erholung, Wandern, Reisen und Sport. Auch kulturelle Ereignisse spielten eine immer größer werdende Rolle. So war es verständlich, dass der jeweils in der Herbstzeit verordnete Weinbergsschluss zunehmend kritisiert wurde. Er war ein Überbleibsel aus dem Mittelalter. In der Zeit der Zehntherrschaft diente diese Maßnahme auch der Sicherung und Kontrolle der zu erwartenden Ernte. Die Zehntherren sahen sich gezwungen, durch einen solchen Herbstzwang, ihre Einkünfte zu sichern. Über viele Jahre war es eine Pflicht der Weinbergshut auf Ordnung zu sehen, Feldfrevel und Traubendiebstähle weitgehend zu verhindern und zur Anzeige zu bringen. Später war es Aufgabe der Gemeinden sogenannte Herbstausschüsse zu bilden, welche die Schließung der Weinberge und die Festsetzung der Herbsttermine bestimmten. In der Herbstzeit wurden zusätzlich Hilfsfeldschützen und Traubenhüter beschäftigt. Diese mussten auch die oft in großen Schwärmen auftretenden Stare, sowie die Amseln und Drosseln vertreiben. Auch heute noch verursachen diese erheblichen Ausfälle und durch die zunehmende Wildschweinplage, kamen neue sehr gefräßige Besucher der Weinberge hinzu. Die dafür vorhandenen gültigen Gesetze und Verordnungen wurden allgemein in Deutschland, auch in Heppenheim, im Jahre 1993 aufgehoben. Somit können heute auch im Herbst alle Wanderer ungehindert durch die Weinberge spazieren gehen. Viele der Grundlagen aus früheren Jahren hatten ihre Bedeutung verloren. Alle noch bestehenden Erfordernisse werden heute von den Winzern selbst erledigt, eine gesetzliche Festlegung für den Beginn und das Ende der Traubenlese und die bestehenden Herbstausschüsse wurden ebenfalls abgeschafft. Die Winzergenossenschaft und Weingüter stellen selbst eigene Lesepläne auf, nach dem sich besonders die traubenerzeugenden und abliefernden Winzer richten müssen. Damit waren die Vorraussetzungen vorhanden, dass auch im Herbst alle Wanderer ungehindert durch die Weinberge spazieren gehen können.
Flurneuordnungen für den Erhalt des Weinbaus Der Ablauf des 20. Jahrhunderts hat für Heppenheim früher kaum vorstellbare Veränderungen und Umwälzungen mit sich gebracht, die in immer schnellerem Tempo weitergehen. Dies war auch im Weinbau so, der schon lange eher etwas konservativer eingestellt und auf Tradition bedacht war. In allen Bereichen des Lebens, der Wirtschaft und Industrie, erlebten wir ebenso in vielfältiger Weise, wie durch neue Ideen, Innovationen und Entdeckungen, ein nie endender Wandel stattfand. Kritisch betrachtet könnte man sagen: „Wer nicht mit der Zeit geht – geht mit der Zeit“. Wenn man sich dabei seine Gedanken macht und versucht in die Zukunft zu blicken, stellt sich die Frage wie es weitergehen wird. So wenig wie Heppenheim und sein Stadtbild ohne den Schlossberg vorstellbar ist, darf es nicht dazu kommen, dass dieser Berg eines Tages total verwildert. Wenn dies so wäre, hätte niemand mehr seine Freude. Deshalb ist die äußerst schwierige Situation in den Steillagen für Heppenheim sehr prekär und bedauerlich. Das gleiche Problem gibt es auch für viele Weinberge z.B. am Rhein und der Mosel. Es ist deshalb sehr zu begrüßen, dass im Rahmen eines eingeleiteten Flurneuordnungsverfahrens vielleicht die Vorraussetzungen für die notwendigen Maßnahmen geschaffen werden können. Das erste Ziel muss die Erschließung des dortigen Geländes durch gute, ausgebaute Wege sein, verbunden mit einer entsprechenden Wasserführung. Im Rahmen des für Heppenheim erstellten, gültigen Landschaftsplanes und der damit verbundenen Pflege der Landschaft, wird es Ziel sein Räume für den Weinbau, frühblühende Obstbäume und -sträucher, aber auch hobbymäßig genutzte Gärten und Erholungsgrundstücke zu erhalten. Die Interessen sind so zu koordinieren, dass vorhandene Biotope innerhalb der FFH - Gebiete (Flora-Fauna Habitat) erhalten werden können. Teilweise können auch neue Wald- bzw. Weideflächen hinzukommen. Es ist ungeheuer wichtig alles zu tun, um diesen stadtnahen Lebensraum so zu gestalten und zu pflegen, dass auch für kommende Generationen die Anziehungskraft erhalten bleibt.
Die Zukunft im 21. Jahrhundert Zum Zeitpunkt der 1250-Jahrfeier der Stadt Heppenheim im Jahr 2005 hoffen die Winzer, dass es durch gemeinsame Bemühungen möglich sein wird, den Weinbau und die wunderschöne gepflegte Kulturlandschaft zu erhalten. Viele Voraussetzungen dafür wurden schon im letzten Jahrhundert geschaffen, aber weitere Anstrengungen sind notwendig. Beim 100-jährigen Jubiläum der Bergsträsser Winzer eG im August 2004 wurde sehr deutlich, dass dieser Betrieb das solide Rückgrat für den Weinbau in Heppenheim und große Teile der Bergstrasse darstellt. In Zukunft wird es unabdingbar sein, dass die einheimische Bevölkerung dem regionalen Bergsträsser Wein treu bleibt und es darüber hinaus gelingt, in Nah und Fern viele Freunde dafür zu haben. Solange in Heppenheim die Reben blühen und der Wein in den Gläsern perlt, werden dann auch seine Bewohner und alle Gäste ihre Freude daran haben.
(C) Vinzenz Antes, Heppenheim 2005
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