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wir danken den beiden Autoren für das Einverständnis zur Veröffentlichung!
Die
Unterlagenwahl als Grundlage der Qualitätssicherung Dr.
Joachim Schmid, Frank Manty Forschungsanstalt
Geisenheim, Fachgebiet Rebenzüchtung und Rebenveredlung Die
Einschleppung der Reblaus in der Mitte des 19ten Jahrhunderts brachte umwälzende
Veränderungen für den europäischen Weinbau mit sich. Die Verwendung von
Unterlagen ist nur eine davon, vielleicht aber die wichtigste. Der Gebrauch von
Unterlagen war zwar schon den Römern bekannt, hatte aber bis dahin keine große
praktische Rolle gespielt. Durch die breite Einführung von Pfropfreben zur
Reblausbekämpfung war nun nicht mehr nur die Wahl der richtigen Ertragssorte für
den jeweiligen Standort von Bedeutung, sondern auch die der passenden Unterlage.
Bei der Planung einer Neuanlage steht die Frage der Rebsorte meist im
Vordergrund. Diese Entscheidung ist zum einen abhängig vom bestehenden
Sortiment des Winzers zum anderen aber auch von den erhofften Marktchancen.
Diese Entscheidung ist ohne Zweifel wichtig für die Zukunft des weinbaulichen
Unternehmens, doch leider werden sie allzu oft so kurzfristig getroffen, dass
die ebenso wichtige Frage der zu wählenden Unterlage bestenfalls durch das noch
vorhandene Angebot des Rebenveredlers beantwortet wird. In
den letzten Jahrzehnten wurden in Deutschland vornehmlich Unterlagsrebsorten
verwendet, welche aus der Selektion von Kreuzungen der Berlandieri x Riparia
Gruppe des ungarischen Rebenzüchters Sigmund Teleki abstammen (5 BB, 5 C, 125
AA, SO 4, 8 B). Die Unterlagsrebselektionen aus Frankreich oder Italien wurden für
den deutschen Weinbau als zu schwach, zu empfindlich oder zu sehr reifeverzögernd
bewertet und fanden kaum Beachtung. Allenfalls eine Sorte wie die 3309 Couderc
fand vereinzelt sporadische Verwendung bei einigen wenigen Winzern für ganz
spezielle Standortbedingungen bei besonderen Pfropfkombinationen. Deren
Veredlungszahlen waren und sind jedoch in ihrer mengenmäßigen Bedeutung sehr
gering. Zur
Wieder- und Neubelebung des Weinbaus im ‘Nachkriegsdeutschland’ stand vor
allem die Produktivitätssteigerung im Vordergrund, für die sich im nachhinein
betrachtet die Unterlagen der Berlandieri x Riparia Gruppe als durchaus gut
geeignet erwiesen. Man sollte sich auch an dieser Stelle einmal bewusst vor
Augen halten welche Situation damals besonders in den klassischen Weinbaulagen
vorherrschte. Die Erträge waren z.T. schlecht bis gering, und Wein war
sozusagen Mangelware. Eine Steigerung der Erträge bedeutete also gleichsam eine
Steigerung des Wohlstandes und ist als eine natürliche und logische Entwicklung
im Sinne eines Wirtschaftswunderdenkens zu betrachten. Die
60er, 70er, 80er Jahre bis einschließlich heute brachten vor allem technische
Erneuerungen im Weinbau und Keller, mit welchen neben der Steigerung der
Produktivität auch eine Reduzierung der Produktionskosten bei einer
gleichzeitigen Verbesserung der Wein- (Trauben-)qualität angestrebt wurden.
Auch hierbei konnten sich die ‘herkömmlichen’ Unterlagssorten der
Berlandieri x Riparia Gruppe bewähren, waren sie doch in der Lage sich einer
einhergehenden weitläufigen Umstellung von einer intensiven auf eine in der
Tendenz eher extensiveren Bewirtschaftungsweise gut anzupassen. Seit
dem Wegfall der Klassifizierungsverordnung für Unterlagsrebsorten im Jahr 2000
ist es in allen deutschen Weinbaugebieten möglich Pfropfreben unter Verwendung
aller in der EU bei den nationalen Sortenämtern eingetragenen Unterlagssorten für
die Anpflanzung zu verwenden. Sehr
schnell reagierte die Winzerschaft auf diese Eröffnung neuer Möglichkeiten.
Nur zu gerne bringt man die Erfolge der französischen, italienischen und der
Winzerkollegen der neuen Welt in Verbindung mit den dort verwendeten
Unterlagssorten. Schlagworte wie „schwachwüchsig“, „reifefördernd“,
„aromabildend“ und „trockenresistent“ werden mit einigen der in Südeuropa
bzw. im südlichen Mittelmeerraum bevorzugt genutzten Unterlagssorten in
Verbindung gebracht. Dies trifft für die dortigen Standortbedingungen und unter
den dortigen weinbaukulturellen Maßnahmen sicherlich weitgehend zu. Die Frage,
ob unter unseren Boden- und Klimabedingungen und den derzeitigen Kulturmethoden
die positiven Eigenschaften dieser Unterlagssorten ebenso zum Vorschein treten,
bleibt aber vorerst unbeantwortet. Bis
in die 50er und 60er Jahre war es in Deutschland durchaus üblich auch
Unterlagssorten wie 10114 Mgt, 161-49 C, 3309 C und Sori zu verwenden. Mit der
Umstellung der Rebanlagen auf größere Zeilenbreiten und Stockabstände
zugunsten der Mechanisierung haben diese Unterlagen jedoch dann gänzlich an
Bedeutung verloren. Bedingt durch die höhere Einzelstockbelastung konnten diese
Unterlagen den neuen Anforderungen, aufgrund eines in der Tendenz schwächeren
Wuchsverhaltens nicht mehr gerecht werden. Auch die Einführung der Dauerbegrünung
erforderte mehr und mehr die Verwendung von Unterlagssorten mit stärkeren
Wuchseigenschaften. Die Reduktion des einstigen Unterlagensortimentes auf die
heute gebräuchlichen Unterlagen geht nicht zuletzt auch auf die Änderungen in
der Weinbautechnik zurück. Die deutschen Weinbaugebiete beherbergen eine
Vielzahl unterschiedlicher Bodenarten bei gleichzeitig sehr heterogenen
Standorteigenschaften. Schon aus dieser Sicht ist eine Öffnung der Wahlmöglichkeiten
für die Unterlagssorten sehr zu begrüßen. An
die Unterlage werden heute wesentlich differenziertere Anforderungen gestellt
als nur die als selbstverständlich angesehene Vermeidung von Schäden durch
Reblausbefall. Ihre Wahl ist in erster Linie abhängig von der Reblausituation,
der Bodenart (Wasserangebot, Nährstoffgehalt, Kalkgehalt), der
Bewirtschaftungsform (Standraum, Anschnitt, Erziehungsart), der Form der
Bodenbearbeitung, der Begrünung und der Ertragssorte. Alle Faktoren gemeinsam
nehmen Einfluss auf die Wüchsigkeit der Anlage. Ein zu schwacher Wuchs führt
zu einem ungünstigen Blatt – Frucht – Verhältnis und damit zu Qualitätseinbußen
beim Erntegut. Zu starkwüchsige Anlagen führen bei blüteempfindlichen Sorten
zum verrieseln, zu Verdichtungen in der Laubwand und damit zu einem erhöhten
Infektionsrisiko für Pilzkrankheiten. Dazu kommt der erhöhte Arbeitsaufwand
bei den Laubarbeiten. Die Unterlage ist so zu wählen, dass unter den gegebenen
Voraussetzungen mit einer mittleren Wüchsigkeit zu rechnen ist. Dies sind die
ersten Voraussetzungen für das erreichen einer guten Weinqualität bei
ausgeglichenen Erträgen und einer langen Standzeit der Rebanlage. Um
bei der Aufklärung über die Bezeichnungen, Herkünfte und Eigenschaften dieser
‘neuen’ vornehmlich aus Frankreich und Italien stammenden ‘alten’
Unterlagssorten beizutragen, hat das Fachgebiet Rebenzüchtung und Rebenverdlung
der Forschungsanstalt Geisenheim eine Auflistung der wichtigsten Unterlagsorten
in Tabellenform erarbeitet. Wir
möchten an dieser Stelle deutlich darauf hinweisen, dass die Mehrzahl der in
dieser Tabelle aufgeführten Beschreibungen der verschiedenen zur Verfügung
stehenden Literatur entnommen sind (siehe Anhang) und sich demnach auf die
Erfahrungen und Beobachtungen unserer ausländischen Kollegen beziehen, die sie
mit den entsprechenden Unterlagssorten in den entsprechenden Anbaugebieten (z.B.
41 B in der Champagne) dokumentiert haben. Die
Eigenschaften z.B. einer Paulsen 1103, welche vorwiegend im südeuropäischen
Raum unter eher ‘ariden’ klimatischen Bedingungen beobachtet und beschrieben
wurden, lassen sich also nicht ohne weiteres auf unsere mitteleuropäischen
Anbaugebiete übertragen. Diese
Tabelle soll also nur als eine reine Informationsquelle für diese
Unterlagsrebsorten und nicht als Anbauleitfaden für unsere Regionen dienen. Das
Fachgebiet Rebenzüchtung ist sich durchaus darüber bewusst, dass auf dem
Gebiet der Eignungsprüfung der genannten Unterlagen für unsere heimischen
Regionen starker Handlungsbedarf besteht. Das Fachgebiet hat somit bereits ab
dem Jahr 1994 damit begonnen in seine routinemäßigen Pflanzungen von
‘Versuchsanlagen zur Adaptionsprüfung von Unterlagsreben’ die verschiedenen
französischen und italienischen Unterlagen mit einzubeziehen. So
konnten in den zahlreichen Anbaugebieten bei verschiedenen Winzern eine Vielzahl
von Versuchsanlagen unter den ortsüblichen weinbaupraktischen
Bewirtschaftungsbedingungen platziert werden. In
diesen Anlagen stehen neben den in Deutschland üblichen Sorten der Berlandieri
x Riparia Gruppe (5 BB, 125 AA, 5 C, SO 4, 8 B) sowie der Unterlage Börner (Riparia
x Cinerea) und einiger neuer Unterlagenzüchtungen aus Geisenheim,
eine große Zahl der in den Tabellen aufgeführten Sorten in der
Vergleichstestung. Da die meisten bestehenden Versuchsanlagen sich noch im
Jungpflanzenstadium befinden ist mit aussagekräftigen Versuchsergebnissen erst
im Laufe der nächsten Jahre zu rechnen. Literaturverzeichnis: Ambrosi, Dettweiler-Münch, Rühl, Schmid, Schumann,
1998: Farbatlas Rebsorten, 2. Auflage, Ulmer Verlag, Stuttgart, 320 S. Galet, Pierre,
1988: Cépages et Vignobles de France, Tome I, Les Vignes Américaines, 2e
Èdition, Imprimerie Déhan, Montpellier, 553 S. May, Peter, 1994: Using Grapevine Rootstocks – The Australian
Perspective. Winetitles, Adelaide, 62 S. Manty, F., Ries, R., Schmid, J., 1999: Unterlagenselektion in
Deutschland: Auch in Zukunft wichtig. Das deutsche Weinmagazin, Heft 11, S. 14
– 16 Pongrácz, D.P.,
1983: Rootstocks for Grapevines, David Philip Publisher, Cape Town, 150 S. Richtlinie
2002 /11/EG des Rates vom 14. Februar 2002 zur Änderung der Richtlinie 68/193
EWG über den Verkehr mit vegetativem Vermehrungsgut von Reben und zur Aufhebung
der Richtlinie 74/649/EWG (Abl. L 53/20 vom 23.02.2002) Schmid, J., Manty, F., Rühl, E. H., 1998: Welche Unterlage für
welchen Standort? Das deutsche Weinmagazin, Heft 2, S. 26 – 30 Schumann, F., 1977: Unterlagenwahl für trockene Lagen und
kalkreiche Böden. Weinwirtschaft 113, 395 - 396 Teleki, Andor, 1927: Der moderne Weinbau, Die Rekonstruktion der Weingärten,
3. Auflage, Hartleben’s Verlag, Wien und Leipzig, 124 S. Tab.
1: Unterlagsrebsorten der Berlandieri x Riparia - Gruppe
Tab.
2: Unterlagsrebsorten der Berlandieri x Rupestris- bzw. Riparia x Rupestris -
Gruppe
Tab.
3: Unterlagsrebsorten anderer Kreuzungskombinationen
Tab.
4: Unterlagsrebsorten mit Vinifera - Erbgut
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